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Die Reise nach der Hölle (Winters)

 

Die Reise nach der Hölle, oder Die zurückgegebene Handschrieft. Schauspiel in 4. Acten. Fürs Puppentheater bearbeitet von Chr[istoph] Winters, Tirektor des Köllner Puppentheaters. Handschrift. Format: 18 x 21,8 cm, grünes Heft. (Als 1. Stück darin: Donjuan der Herzoch. Trama in 4. Acten. Fürs Puppentheater bearbeitet, von Chr[istoph] Winters. Tirektor des Köllner Puppentheaters.) Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Sign. Ms. D4-314.

Transliteration: Michaela Lohr und Beatrix Müller-Kampel.

Orthographie und Interpunktion wurden in Haupt- und Nebentext beibehalten, Schriftgrößen und -schnitte aber vereinheitlicht. »[!]«wurde nur bei gravierenden Verstößen gegen Grammatik und Syntax verwendet. Mit Makron (Balken) markierte Gemination wurde mit »m‹m›« / »n‹n›« aufgelöst. Text zwischen »{ }« wurde von fremder Hand hinzugefügt. Durchgestrichener Text wurde so übernommen.

© Mit freundlicher Genehmigung der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Zum Text als pdf-Datei

Es handelt sich vermutlich um ein Original; die Handschrift verweist auf einen geübten Schreiber. Der Sammler Artur Kollmann erhielt das Heft im Januar 1889 als Geschenk von Carl Engel (Sign. Kollmann: »Jua‹n›2).

Das Stück basiert auf einer Geschichte aus einer mit 1814 datierten Szenarien-Sammlung von Heinrich »Harÿ« Königsfeld, dem Großneffen des Gründers der Kölner »Hänneschen«-Bühne Johann Christoph Winters:

[Johann Christoph Winters: Hänneschen.] Inhalt/Sechsunzwanzig [!] Stücke. [Szenare.] Jahrgang 1814. Harÿ Königsfeld 1887. Format: 16,7 x 20,2 cm, hart geb. Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln (Wahn), Ms. Sign. TWS-STS-Hän-99/3.

Das Heft enthält 26 schwankartige Szenarien, deren dramatische Fügung nicht immer sogleich erkennbar ist.

»Die reise nach der höllen oder der Schutztheilige«
»1 tens gräfliches zimmerr, wo die gräffin sich sehr traurig beklagt, ihren bruder tröstet sie unaufhörlich, hierüber kömt ihren sohn herein fragt seine liebe Mutter warum sie so traurig wäre, sie sagt liebster sohn, es sind bald 24 jahr vorbey vor diesen Jahren ware ich wittwe und fand mich in einem sehr leudigen standt, da kam ein bösartigger zauber, wie ein vornehmer witter zu mir und beschwätzte mich ich solte dich lieben sohn ihm mit [84] leib und seel verschreiben dan wolte er mir nach meinem vornehmen standt gemäs, reichliches geldt genug verschaffen ich war in der Noth und ließ mich von ihm beschwätzen, Nun liebster sohn suche dich zu retten, sonst bist du dem teufel, und auf ewig verlohren, er sagt liebste Mutter täuschen sie sich nicht hierüber ich will gehen, und zu gott bitten daß mir geholfen wirdt sie küsen sich beide und gehen ab, actus
[85] 2 tens, waldtgegendt, mit einer eremitage er kömt unter dem freiem himel und bethet zu gott, hierüber kömt der fromme, eremit hervor, er sagt freund, was habt, ihr vor ein anliegen er steht auf, und erzählt diesem frommen Mann seine geschichte er sagt zu ihm halte dein vorhabe zu gott, du muß reisen, zu der pforte der höllen, ich werde dich hie und her schützen und in allen gefahren wahr bei dir sein, Er dankt diesem frommen heiligen Mann und geht getröst ab, actus
[86] 3 tens waldgegendt, mit einem hauß worin ein Mörder wohnt, der Mörder mit seinem sohn stehen vor der thür und erwarten, die ankommende reisenden, hierüber, kömt dieser Junge graf und willt vorbey, sie sagen halt wo geht die reise hin, er sagt ich hab zu thun beim teufel in der höllen dieser Mörder wird sehr erschroken und sagt das leben ist euch geschenkt wenn ihr mir, den gefallen thut und fragt den Teufel, wannehr er mich holen will, der Mörders sohn hört hierüber auf das Meser zu schleiffen [87] der Mörder nimbt ihn herein, gibt ihm zu esen, und zu trinken, und zeigt ihm die viele Ermordeten der Junge graff, verspricht ihm die antwort in seiner rückkunft, der schutzheilige steht schon vor des Mörders hauß, und erwartet den Jungen graf sie gehen ab, actus
4 tens, höllenpfort u. Klipp / felsenklippe, in der Mitte eingang zur höllen es kommen Teuflische geister hervor und fragen was er begehrte, er fragt nach dem Ober lucifer, die felsen verwandeln sich zum innere der höllen [88] der schutzheilige mit dem graff citirt die Teuflische Macht, die handschrift der gräflichen Mutter wieder herauszugeben der Teufel ist gezwungen, die handtschrift zu geben sie gehen beide ab actus
5 tens, waldt beim Mörder / der Mörder steht mit seinem sohn vor der thür in erwartung, der graf bringt ihm die botschafft, es wäre bald mit ihm verlohren er käme mitten in die hölle, gibt ihm den rath, er solte sich zu gott bekehren [s]o würd er vom teufel hohlen befreit sein [89] dieser Mörder verspricht ihm nicht mehr zu morden, sich zu gott zu bekehren sein ganzes Vermögen unter die armen zu theilen und sein leben zu beseren der schutzheilige steht schon wieder vor des Mörders hauß, und erwartet den Jungen graf, sie gehen beide ab – actus
6 tens gräfliches zimmer, wo die Mutter das lange ausbleiben ihres sohns, traurig beweint, der Junge graf tritt freudig herein, er küßt seine Mutter, zeigt ihr die handschrift vom Teufel alle freunde sind zugegen es ist ein Jubelfest alles ruft, es lebe der Junge graf«.Hänneschen 1814. Sechsunzwanzig [!] Stücke [Winters/Königsfeld], S. [83–89]
(Transliteration: Isabella Schuster).

Eine weitere Hs. mit dem Titel »Die Reise nach der Höllen oder der Schutzheilige« befindet sich in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln /Schloss Wahn (Inv. TWS-ST-Hän-99/208).

Orthographisch bzw. sprachlich-regiolektal auffällig ist der Austausch von »g«» und »ch« sowie »d« und »t«.

 
 

 

 

 

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