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Kasper in der Türkei

 

Kasper in der Türkei. [Mordnacht.]

Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Sign. Manuskript D4-459.

Handschrift, Format: 17,3 x 20,5cm, hart gebunden. Herausgegeben von Lisa-Maria Schobegger und Beatrix Müller-Kampel.

Die Interpunktion wurde im Haupttext beibehalten, im Nebentext (Regieanweisungen) der leichteren Lesbarkeit und Verständlichkeit halber vereinheitlicht. – Mit Makron (Balken) versehenes »m« oder »n« wurde mit »m[m]« bzw. »n[n]« aufgelöst. – Unleserliches wird mit »[?]« markiert.

© Mit freundlicher Genehmigung der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Zum Text als pdf-Datei

»Im Repertoire der Marionettenspieler bezogen sich Titel wie ›Kasper‹ in der Türkei‹ oder ›Kasper unter den Türken‹ meist auf zwei Dramen(-Gruppen) ganz unterschiedlicher Handlung und Motivkreise. ›Fürst Torello‹ (›Fürst Dorello‹) / ›Graf Paquafil‹ /›Alexander von Pavia‹ bzw. ›Sultan Achmet‹, sie alle versehen mit dem Untertitel bzw. einer Parallelhandlung ›Kasper in der Türkei‹, basierten allesamt auf der neunten Novelle des zehnten Tages in Boccaccios ›Decamerone‹. In ihr gerät Torello (Dorello / Alexander von Pavia / Graf Paqufil) in der Türkei in Kriegsgefangenschaft. Nach einigen Jahren erkennt der Sultan in ihm seinen einstigen Retter und lässt ihn frei. In einigen der stoffgleichen Stücke kommt es sogleich zu einem guten Ende; in manchen wird der Held infolge drohender Neuverheiratung seiner Frau und Intrigen eines Nebenbuhlers durch Zauberkraft nach Pavia versetzt; in weiteren kommt es zur Versöhnung und Freundschaft zwischen den konfessionellen und militärischen Gegnern Torello / Alexander / Graf Paquafil und dem Sultan Achmet; in wiederum anderen vergiftet die Frau Torellos statt wie beabsichtigt den Sultan ihren Ehemann und wird daraufhin vom Sultan in die Türkei verschleppt; und einige nennen als Schauplatz statt der Türkei ›Kairo‹ oder ›Egiebten‹.

Im zweiten, stofflich ganz anders ausgerichteten und im 19. Jahrhundert nur mehr selten gespielten Stück, bedeutete ›Kasper in der Türkei‹ auch Kaspar ›in Äthiopien› / ›Aethiopien‹ – in Bezug auf Form und Funktion des nationalen und ethnischen Klischees ein ähnlich bemerkenswertes erstes Ergebnis wie die erwähnte Identität von ›Türkei‹, ›Kairo‹ und ›Ägypten‹. Die ungemein verzwickte Tyrannen-, Seeräuber-, Liebes- und Geister-Geschichte um die doppelte Gefangenschaft eines Prinzenpaares, das am Ende durch Mord und Selbstmord stirbt, wurde üblicherweise unter dem Haupttitel ›Die Mordnacht in Äthiopien‹ gegeben und, um das Publikumsinteresse gehörig zu steigern, mit mehrgliedrigen Untertiteln wie ›[…] oder: Kaiser Orosmann‹ bzw. ›[…] oder Der dreifache Liebesmord oder Der hungrige Gast im leeren Wirtshaus oder Kasper in der Türkei‹ ausgestattet.«

Aus: Beatrix Müller-Kampel: Unter russischen Räubern und türkischen Christenschlächtern. Ethnische Komik im Puppentheater des 19. Jahrhunderts (im Druck) nach: Alexandra Richter: »Verzeichnis der genannten Theaterstücke«. In: »Mit großer Freude greif ich zur Feder«. Autobiographische und biographische Zeugnisse sächsischer Marionettenspieler. Zusammengestellt nach Unterlagen der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Hrsg. von Johannes Moser, Lars Rebehn und Sybille Scholz. Dresden: Thelem 2006. (= Bausteine aus dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. Kleine Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. 5.) S. 219–232, hier S. 223–224 und S. 227.

 

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