»Kinder, seid Ihr alle da?« Im deutschen Sprachraum ist bekannt, wer die Frage stellt: der Kasperl! Ein kindlicher, tollpatschiger Lustigmacher mit bunt gewürfeltem Kostüm, langer Nase und noch längerer Zipfelmütze, der im Puppentheater mit Großmutter, Freundin Gretl und dem Seppl auszieht, das Böse zu bekämpfen: das Krokodil, Räuber, Zauberer, Gespenster, Hexen.

Die Geschichte der Figur reicht in das 17. Jahrhundert mit den theatralen Lustigmachern Arlecchino, Pulcinella, Polichinelle, Pickelhering, Kilian Brustfleck, Hans Supp, Potage, Knapkäse, Hans Stockfisch und – am erfolgreichsten überhaupt – Hanswurst zurück. Joseph Anton Stranitzky (1676–1726) modellierte nach mehreren interkulturell-pluriglotten Vorbildern einen bald überregional gewordenen Hanswurst, dessen obszön-fäkales Profil und burleske Typenkomik sich im Verlaufe des 18. Jahrhunderts tiefgreifend veränderten. Die Lustigen Figuren hießen neben Hanswurst nunmehr Bernardon (Josef Felix von Kurz), Papageno (Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel Schikaneder), Thaddädl (Anton Hasenhut), Staberl (Adolf Bäuerle), Kratzerl (Josef Alois Gleich) und am allerhäufigsten Kasperl (Johann Josef La Roche), Kasperl Larifari (Franz Graf von Pocci) beziehungsweise, je nach regionaler Beheimatung, Kaspar / Kasperl / Käsperle.

Im 19. und 20. Jahrhundert werden Kasperl & Co. als Akteure des Unterhaltungstheaters, des Puppentheaters, des Kindertheaters dem Trivialen zugeschlagen und damit aus der Geschichte ausgesperrt – und verkörpern doch Grundkonstanten und Grundbedingungen des Lachens im deutschsprachigen und hier vor allem im süddeutsch-bairischen und österreichischen Raum.

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