Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 17. März 1847 [?]
 
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München den 17 Mrz

Wie sehr in dem gegenwärtigen furchtbaren Gewirre Mir daran liegt, theuerster unvergeßlicher Freund, von Deinem Wohlbefinden, von Deinen Reisen und davon Nachricht zu erhalten, ob Süddeutschland und namentlich Salzburg oder München, überhaupt ob Ich eine Hoffnung hegen darf, auf das unaussprechlich theure Glück, diesen Juli oder August Dich zu sehen? kannst Du wohl denken? – Ich verlasse Mich darauf, daß der III und IV Band der Anemonen, wie das Taschenbuch auf 1848, Dir durch den lieben Hirzel längst zugekommen sei, der immer eine grosse Huldigung für Dich trug. – So habe Ich denn an dreißig Jahre lang umsonst gewarnt, gepredigt und prophezeit, es werde kommen, es müße kommen und endlich ist es dennoch gekommen und wenn nicht heute, dennoch morgen! – Wurde doch Louis Philipp, ein ganz andrer Schlaukopf und Hochwächter und Nachtwächter der gesammten europäischen Welt überrumpelt,

 
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als alle Sedlnitzker zusammen gewesen sind. – Man meint eben, die Principien seien ebenso unter die Füße zu kriegen, wie die einzelnen Menschen: aber arger, verderblicher Irrthum! Inzwischen ist die Aussicht ungeheuer trübe und wie leicht kann einem 30jährigen Frieden ein 30jähriger Krieg nachkommen und alles Besitzthum, alle Stabilität über den Haufen werfen? – Das Bonapartesche Soldatenkaiserthum war in der That bei weitem nicht so arg, als die schreckliche Umwälzung, die Uns jetzo droht: und dennoch glaube Ich mit Klugheit wäre die Sache noch in ein Geleise zu bringen, leichter, als 1830. – Ob denn Meine armen tyrolischen Berge dießmal eine Spätfrucht erndten von ihrer blutigen Feuertaufe von 1809. Dieser sublimstem dynastischen und legitimistischen Mystifikation trotz der Wende! – In der Neujahrsnacht überfiel Mich eine schwere Blutcongestion gegen den Kopf, die gleich Anfangs bedeutend vergrößert, ja für einen folgenreichen Schlagfluß ausgegeben wurde, was sich bald behob

 
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und zum Erstaunen der Ärzte Mich schon am dritten Tage, wiewohl nur theilweise, doch am vierten schon ganz Meinem Geschäfte wiedergab. Dieser Tage starb ein Oheim von Mir, aus der mütterlichen Riesenfamilie von Mayrhofer, Domherr in Brixen, am 22 Sptb. 1751 in Brunnecken geboren, 97 Jahre alt, nur ein kurzer Sprung auf das jetzt so seltene 100. – Durch die Buchhandlung Weidmann erhalte Ich Alles richtig, so wie durch den guten und getreuen Nürnberger, Georg Franz in München.

Hammer hat doch noch viele Wünsche erreicht, was Ich Ihm herzlichst gönne nach dem Verluste der unvergleichlichen Frau und des hoffnungsreichen Sohnes. In der überaus theueren Erwartung, Dich noch einmal im Leben zu sehen, mit dem innigsten und tiefsten Respect an die Frau Gräfinn und tausend Glückes- und Segenswünschen:

Tuissimus
Hormayr

Von Meiner Frau dieselben Bitten und Hoffnungen und alles Erdenkliche.

 
     
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