Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
Bremen, am 5. Jänner 1847
 
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Bremen am 5 Januar 1847.

Es würde Mir in der That schwer fallen, mit Worten zu beschreiben, mit welchem Gefühl Ich die Überschrift: Landstrass und die Weihnachten erblickt, die Mir in der That, eine theurere Gabe nicht hätten bringen können. – Die einzige Krankheit Meines Lebens befiel Mich am im Dezember 1800, vor 46 Jahren, in Folge übertriebener Winterfeldzugs-Strapatzen, nach Moreaus Hohenlindener Sieg und jetzt wieder in den nemlichen Wochen, mitunter wohl, weil Mir umsonst das Herz gebrannt hatte, nach Deinem, so fest gehofften Wiedersehen! – Inzwischen denke Ich dieses Kleinod Meines Lebens in den schönen, langen Tagen des Juni und Juli, doch noch zu erreichen, wahrscheinlich zum letztenmal hienieden, wenn Mein reges Verlangen nach dem Süden und nach der Ruhe, nach einer, im August 1794 in Innsbruck, Meiner Vaterstadt, vor 53 Jahren, am Ende der Knabenzeit, literarisch und im Mai 1797, vor gerade 50 Jahren, im Geschäfts- und Justizsache begonnene Laufbahn, die ersehnte Gewährung findet. – Durch Weidmanns ist wohl das Taschenbuch auf 1847, wie Ich es befohlen, längst in Deinen Händen. – Bis Ende März 1847, bekömmst Du wohl wieder zwei bis zum Tode Theresias und zur Thronbesteigung Josephs reichende, mit dem siebzigjährigen Krieg 1756, beginnende Bände, über die Ich, mit Dir zu reden, unendlich begierig bin. Ob Ich ein redlicher Enthusiast für das herrliche Land und Volk von Östreich gewesen, in der Bonaparte schen Zeit 1800/1815, wo es wenig Rosen brachte, gut östreichisch zu sein, unterwerfe Ich dem Urtheil aller Patrioten, – der Sedlnitzker freilich nicht, aber, welcher Ehrenmann wird an diese appeliren?? Ich denke und fühle noch ebenso; und in den Anemonen II S. 42–94, ist recht offen und ehrlich erörtert, ob denn ein österreichischer Schriftsteller mit Fug und Recht, in Anspruch genommen werden könne, sowohl für das, was er sagt, als für das, was er nicht sagt. Wenn Maru Kraljewitsch nicht von Dir ist, oder durch Deine Vermittlung kam, von Kopitar, dem Polizei-Rothfuchs contra Rusniaken, Serben und Czechoslaven, war er durchaus nicht. – Hammer habe Ich innigst beklagt. Diese Frau und dieser Sohn rechtfertigten in der That, einen ungeheuern Schmerz; aber sogar in des Sohnes Leichenfeyer, mußte der Eitelkeitsnarr sich in der Allg. Zeitung lächerlich machen, wie der, einst democratisch stolzirende Enkel von Eugens Krautgärtner im Belvedere,

 
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als Obristerblandesvorschneider in Steyermark?? und dieses Wurm-Wühlen im ungebornen Cadaver der Academie ohne Gleichen, dieses Cichorien- und Runkelrübensurrogates wahren Wissens und freier Rede?! Dieser jämmerlichen Sinecure oder Damen-Präbenden für kenntnißschwangere Mannsbilder?? Darf man denn in der That eine solche Onanie geschieden Leuten ins Gesicht schleudern, als kennten oder sollten sie Respect dafür haben?? – und diese Convertiten- und Jesuitenpyramide um das liebe Brod von Hurter, Jarke, <p.p> ? Östreich könnte ganz Süd- und Mitteldeutschland unbedingt in der Tasche haben, aber – – non defensoribus istis! – Wohlunterrichtete und wohlgesinnte Leute sprechen beharrlich von großer Schwäche und baldigem Erlöschen Metternichs: – in vieler Hinsicht ein merkwürdiger Mann, der manches Böse abgewendet, aber noch weit mehr Gutes erstickt hat! – Gemeine Lästermäuler dürfen sich nicht an Ihn wagen. – Wie Napoleon als allopathisch, so muß der: – solo nomine Clemens, – wie die Ungarn Ihn nannten, als homöopathische Ironie der Providenz aufgefaßt werden. Das ist der einzig wahre und zugleich ein erhabener Gesichtspunct, wenn man ihn zu fassen weiß: "sine ira et studio." – Der Vicinal-Czapka-Clara-Wiek und Polen-Falstaff, läßt kaum etwas Anderes von sich zu sagen übrig, als: – "es leben kaum sechs solche Männer" ungefangen in England – und Einer davon ist sehr fett und – wird alt!"! – Der Bertold Schwarz, vielmehr partout Schwanz des Schmarotzerithumes konnte kaum anders zu Ende gehen! – Von dem guten Muchar (Wartinger dürstet wohl auch noch?) freute Mich, – Etwas zu hören durch einen jungen Dragoner aus Bremen, Reuter, Sohn Unseres trefflichen Commandanten der Bundeshanseaten, dem Ich auch an Dich eine Empfehlung zu geben, so frei war, der aber erst jetzt, im Winter nach Gratz kommt und bisher über und über Equitation in Radkersburg trieb.

Meine Frau, für die es außer: – "Schutt", Nichts in der Welt gibt, will Dir und der anmuthvollen Frau Gräfinn, mit Mir bestens empfohlen sein. Genehmige in alter Güte, Meine treugemeinte Huldigung. Es sei kein leerer Schall: – Auf Wiedersehen!

Tuissimus
Hormayr

Ich darf wohl auf zwo Zeilen gütiger Empfangsbestätigung hoffen? –

 
     
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