Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
Bremen, am 10. Mai 1846
 
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Bremen am 10 Mai 1846.

Der Überbringer dieses, ist der Sohn des Commandanten des hanseatischen Bundescontingents, Heinrich von Reuter, der nach Radkersburg zum Regiment Windischgrätz geht, zu den alten Feuerteufeln von Latour, ein, noch sehr junger, aber liebenswürdiger, gewandter und bildungsdurstiger Mensch, die Freude seiner trefflichen Eltern. Ich erlaube Mir, Ihm diese Zeilen an Dich mitzugeben, damit er erstlich Dein Angesicht sehe, sofort aus Deinem Mund einen freundlichen Rath vernehme, wer ihn zu den Mitteln weiterer Studien und höherer Bildung, (Bibliothek, Johannäume) am beßten verhelfen könne. Ich gab ihm zu dem Ende auch ein Brieflein an Muchar, wenn er sich Meines Namens noch erinnert, Dein Blick aber dringt tiefer.

Der gelinde Winter war ein schlechter für Mich und für Meine Frau; im Urlaub flicken die Berge, Wässer und Sonn, die alte Haut immer wieder etwas zusammen, aber mit der Wiederkehr der alten Ursachen, kehren auch die alten Wirkungen wieder. – "Senectus ipsa est morbus." –

Da hoffe Ich Mitte Juni bis Mitte August, Mich in der Umgegend Münchens wieder etwas zu erholen. Habe Dir dieses durch die Weidmaenner angezeigt, unter demüthigstem Flehen, Dein Herz zu erwischen und auf einige Tage das bengalische Feuer Deiner Gegenwart, über München, vorzüglich aber über denjenigen leuchten zu lassen,

 
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der in alter Treue und mit der verehrungsvollsten Umarmung sich nennt:

Tuissimom
Hormayr

Das Taschenbuch 1846 hat Hirzel doch gewiß geschickt: im heurigen ist Mein Liebling: Friedrich mit der leeren Tasche. – Du müßtest in der That ein Herz von Urgranit haben, wenn Du Dich dieses herrlichen Stoffes gar nicht erbarmen wolltest. Die ganze Geschichte ist wie ein Roman vollglänzender und gewitterschwangerer Wechsel und unvergleichlichen Figuren, Helden, Abentheurer, Federfuchser, wälscher Molche, sublimer Hurenjäger, unter denen der Kaiser und der Herzog Parterrelogen haben, – und himmlische Bauern, auch treue Freunde.

Wie wäre es denn zu machen, daß Reuter zufällig einmal den Erzherzog Johann sähe, der ja so ungemein affabel und zugänglich ist?

 
     
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