Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
Bremen, am 24. Februar 1844
 
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Bremen am 24. Febr. 1844.

Ich hoffe, mein hochverehrter, unvergeßlicher Freund, Du erhieltest, wie Ich es in Leipzig verfügt, mein historisches Taschenbuch auf 1844 und demnächst auch den 3 oder Nachtragsband der Lebensbilder?? Eine Zeile von Dir macht Mich und meine Frau glücklich, denn es ist unmöglich, innigeren und verehrungsvolleren Antheil an Dir, an der Frau Gräfinn, selbst an Deinem Namen zu hegen, als Wir es thun. – Der Himmel wolle Dir nur Gesundheit und Laune erhalten und jede Freude des Lebens dazu schenken, deren übrigens Dein herrlicher Genius weniger als andere Menschenkinder bedarf.

Ueber das herrliche Oesterreich schreibt jetzt leider jeder Narr. Es ist nur ein Wunder, daß die langweiligen Esel, Leser und einen Verleger finden, da Ich, wie Du weißt, Alles und Alles geschrieben habe, was in Wien unangenehm ist, so gestehe Ich, daß Ich gegen jene Fehlgeburten doppelt toll war.

 
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Sonst bringt der Boden dort meines Wissens nichts erhebliches Neues? – Hammer wird am 4.<ten> Juni 70. – Das Jahr 1843. entriß Mir drei liebe Freunde seit 30 Jahren, in deren Nekrologe Ich verfluchte: – ein Vierteljahrhundert der Geschichtsforschung in Oesterreich Kurz (1800/1825) der schönen Wissenschaften, Caroline Pichler, bildende Künste, Historienmaler (Carl Russ.) Du wirst Dich daran ergötzen. – Nichts von Welden, Muchar, von der Gräfinn Rothkirch? da das nordische Clima Mich sehr angreift, bewilligte Mir der König einen ständigen, fünfmonatlichen Urlaub bei vollem Gehalt. Früher sollte Ich den Coburger Duodezhof dazu haben. Der höchst unerwartete Tod des trefflichen Herzogs hinderte es, Ich bin um so unabhängiger. – In Hoffnung eines baldigen Lebenszeichens, in alter Treue

tuissimus
Hormayr

 
     
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