Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
Bremen, am 2. März 1840
 
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Bremen am 2.<ten> März 1840.

Ich bin nun schon lange, mein hochverehrter und theurer Freund, ohne alle Nachricht von Dir, seit dem erfreulichen Wendepunkte deines in so mancher bedeutenden Beziehung merkwürdigen Lebens. Man meldet Dich in Wien, – man schreibt aus Wien von sehr angenehmen Verhältnissen, – vom Kammerherrnschlüssel, von einer gänzlichen Bekehrung, (gleich jener von Zedlitz und dem Austrocknen und Verschlammen des Grillparzerschen Brunnquells.) – Mich macht das Alles nicht irre und nach Nichts neugierig, als nach deinem Befinden, nach deiner Lage, nach dem Wohlergehen einer der edelsten Zierde Oesterreichs, dessen Völker und herrliche Vergangenheit, wie seine großen Anlagen in und für die Gegenwart, es der Liebe des Patrioten und der Begeisterung des Dichters in so hohem Grade würdig machen, – der Augenblick aber, wo Ich hierüber von Dir selber, wenn auch in noch so wenigen Worten die erste Kunde erlange, wird für Mich ein höchst erfreulicher seyn. – Der Buchhändlerweg über Leipzig ist ganz unbedenklich und obendrein ziemlich schnell. – Dieselbe Begierde theilt meine Frau, die schwarmerische Verehrerinn Deines Genius.

Die erbärmliche Art, womit der vor aller Welt gebrandmarkte Polizeispion Braunthal, seinen Wiedereintritt nach Österreich ankündigte, war das lauteste Geständniß seiner Schuld und zu welchem Werkzeug er sich unbedingt und bis zur tiefsten Schmach gebrauchen lassen, – Alles zuckte die Achseln und spie aus.

Die historische Literatur, die redende und bildende Kunst, Unser vielgeübter Zweck der Popularisirung und Nationalisirung der Vaterlandsgeschichte durch die Kunst, die vorzugsweise Verherrlichung einheimischer Gegenstände,

 
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durch die Malerei, Plastik, Ballade, Legende, Tragödie liegt so ziemlich zu Boden. – In der Geschichte kömmt es so ziemlich wieder auf das alte, auf Herausgabe der Quellen und auf die historische Critik und zuletzt auf eine fable convenue.

Meine historischen Taschenbücher hast du bisher wohl ununterbrochen gesehen? – Es liegen doch schöne Ankänge und Materialien in dieser, beinahe 40jährigen Sammlung. Mein Andenken an den ewigen Salm ist dir wohl eben so wenig entgangen, als Tilly und Jean de Werth? – Es ist doch schade um das Auslöschen dieser 18dicken Quartbände meines Archives, in denen doch viel Schönes zu Tage kam und um das unstreitig einflußreiche Taschenbuch. – Es war doch eine schöne Zeit, in der Wir Alle zusammenwirkten, – von 1810 bis 1828 wurde kein Geringes vom alten Sauerteig umgerührt und wie wäre es erst geworden, wenn es im gleichen Geiste fortgedauert hätte, bis 1840?? Im Ganzen haben die Rückschritte immer fortgedauert.

In der Hoffnung eines baldigen Lebenszeichens von Dir und mit der herzlichsten Umarmung, so wie mit den innigsten Seegenswünschen für Dich, deinen Ruhm, dein Haus und deine beständige Zufriedenheit

Dein alter, unwandelbarerVerehrer
und Freund Hormayr

 
     
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