Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
Bremen, am 8. August 1839
 
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Bremen am 8<ten>. August 1839

Ich glaube nun, mein theurer, unvergeßlicher Freund, nicht mehr zu früh zu kommen mit meinen innigsten Seegenswünschen zu Deiner Vermählung. – Möge ein reiches Füllhorn aller Glückesgaben über Dich ausgeschüttet, – mögest du vor allen durchaus verstanden sein! – Ich wünsche dieses um so mehr, als nach dem betrübten Ausgang, Schimmel und nicht einmal edler Rost, der auf Hammer, Zedlitz, Grillparzer und Pyrker, (obgleich in verschiedenen nuançen) gewachsen ist, Hoffnung und Ehre des poetischen Himmels in dem so geseegneten und liebenswerthen Oesterreich ausschließend auf dir beruhen. – Das Haus Gall ist mir gar theuer seit der Kreuzspinne und des Schnitzenbaumers Absturz (Taschenbuch 1823 Seite 385) mit Gottes Hülfe erlebe Ich wohl des Taschenbuches vierzigstes Jahr (1802–1842.) Im Jahrgang 1840 ließest du wohl nicht ohne Vergnügen das Leben des edlen Salm, so wie Ich glaube, daß die ganze Sammlung noch in späteren Jahren jedem Vaterlandsfreunde nutzen und Vergnügen gewähren wird. – Gerne vollendete Ich noch: "Österreich unter den Babenbergern" (973–1273) die wichtigsten Entdeckungen und Urkunden gab Ich schon 1827/1828 in meinem Archiv und in den Wiener Taschenbüchern, beinebens arbeite Ich emsig an Memoires aus meiner Lebenszeit (1796–1816.) – Bei Friedrich mit der leeren Tasche ist der Stock [durchgestrichen: be] Patriotismus nicht zu fürchten. Er war vielmehr der einzige Fürst seines Stammes, an welchem die großen Lehren der Zeit und die Schule des Unglücks nicht fruchtlos vorüberging, der zwar nichts vergessen aber sehr viel gelernt hat,

 
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der Bürger- und Bauern hob, die kleinen Schloßtyrannen züchtigte und durch Beharrlichkeit und Klugheit über Alles siegte, selbst über Brüder und Vettern, die ihm gerne mitberupft hätten. Er starb als der reichste Fürst seiner Zeit, die Anspielung auf das Finanzpatent wäre also eine, zwar [ergänzt: der] Wiener Censur vollkommen würdige, aber doch gar zu unglückliche – und wohin würden solche Abgeschmacktheiten zuletzt bei allen historischen Stoffen führen? – und welcher Reichthum einzelner romantischer Züge, wie mein Archiv und Taschenbuch sie den dutzenden nachsämmelten! Ebenso solltest Du die etwas antiquirte und philisterhafte Scheu überwinden vor meinem Cyklus der Türkenschrecker Auersberg, wozu sich gewiß viele noch unbekannte Localsagen anbieten?? – Otto der fröhliche scheint Mir von Natur, zu einem Fragment bestimmt. Als solches solltest du ihm nicht schlummern lassen und eine kleine Reise durch Tyrol machen über Villach und Brixen auf Botzen und Meran, durch das Vintschgau auf die Finstermünz und Landeck, – über Insbruck und Salzburg nach Hause. – Schöneres läßt sich kaum Etwas denken.

Der herrlich Sang am Grimm würde die Zierde jedes Taschenbuches sein, aber die Censur?? sonst hätte Ich es darauf gewagt, daß S. M. Ernst August, (Allerhöchst welcher dieser Tagen doch einige erkleckliche Miquenauden mit ungemeiner Grazie verschnupft hat,) Mich durch Dregonier und Husaren aus Bremen hätte abholen lassen.

 
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Lenaues Savonarola werde Ich aufmerksam studiren. Von Sir John Zedlitz, von Grillparzers Archivstaub, von dem unverschämten Plagiar und Schmierer Mailàth, was ist da zu erwarten? Vorzüglich über Zedlitzens ungrische Artikel in der allgemeinen Zeitung könnte man sich bucklicht lachen wegen der tiefen historischen Gelehrsamkeit!? – Es ist ein trauriger Beweis der an manchen hohen Orten herschenden Unwissenheit, daß man glaubt, mit solchen Schlüsselbüchsen, (die höchstens die eigenen Constabler verwunden,) die gegnerischen Mauern niederzuwerfen. die Trompeten von Jericho sind Historie [durchgestrichen: her] schon seit lange.

Im Osten thut eine neue Welt sich auf. Wer möchte die Folgen ermessen? zuvörderst für Ungarn, aber wie erst von da aus?? Du warst wohl lange nicht in Wien? Es existiren in Deutschland so viele Versionen darüber, was der Fürst Staatskanzler Dir gesagt hat, daß Ich wohl einmal wünsche, das wahre zu hören, um so mehr, da es doch nur etwas Ostensibles sein dürfte?

Du bist wohl so gütig, der Frau Gräfinn meine und meiner Frau, treueste Anhänglichkeit und verehrungsvollste Seegenswünsche auszudrücken. – Jetzt ist wohl alle Hoffnung dahin, auf eine Reise nach England über Bremen und Hamburg?? – mit innigster Verehrung und Liebe dich umarmend und sehnsuchtsvoll nach einem baldigen Lebenszeichen von dir

ewig Dein alterVerehrer
Hormayr

 
     
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