Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
Hannover, am 26. Oktober 1837
 
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Hannover am 26<ten> Octbr.37.

Seit langer Zeit hatten ich und meine Frau keine inniger Freude als über die allgemeine Zeitung mit der Ehrenerklärung des elenden, nun auf immer lächerlich gemachten und vernichteten Braunthal. – Ich hatte die Rache der Polizei seit lange mit Bangigkeit Dir auflauern sehen, von Vierteljahr zu Vierteljahr wüthender, daß der Augenblick noch immer nicht kommen wollte, den Tygersprung auf Dich zu thun. Ja wahrhaftig, eine heilige Hand war mit im Spiele und zerriß riesenkräftig das Gewebe so vieler unheiligen Hände. So vollständig, so schimpflich, wie gar selten der schlechten Sache zu Theil wird, mußte es enden. – Ich habe Brandbriefe in alle Welt geschrieben, – jetzt werden erst die französischen und englischen Haubitzen nachkrachen. – Auf der Leipziger Michaelismesse war unbändiger Jubel, selbst bei den Brockhaus, so feig sie sind, vor Allem bei unserm biederen Verleger H. Reimer. – Jede Person wie die Deinige, stellt zugleich einen Nothpfennig für den letzten freien Odem der Literatur dar. – Wir Alle waren dabei auf Leib und Leben betheiligt; – kein persönlicher Glücksfall hätte mich inniger erfreuen können. – Meine
 
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historischen Taschenbücher darf ich Dir fortan empfehlen als reiche poetische Stoffe. Doch ist mir darin ein Unglück begegnet zum Verzweifeln. Die unerwartetste und darum köstlichste Gabe waren mir Deine krainerischen Sagen, – ganz in meinem Ideal, ein wahrhaft poetisches Geschichtssupplement – und die Esel in Reimers Druckerei zu Grimma, lassen sie aus und drucken dafür ein Stück Urkunden-Directorium. – Man möchte gerade rasend werden. – Ich bitte Dich aber inständig, entziehe sie mir nicht, sondern gieb noch ein Paar dazu für den nächsten Jahrgang, der im April zu drucken anfangen wird. – Ich schreibe heute auch an Hammer, meinen Freund, seit 28.<ten> Juni 1798, wo freilich solche Gelbschnäbel wie Anastasius Grün noch lange nicht auf der Welt waren. – Was macht denn Zedlitz? Ich adorire sein Talent, – er mag auch Bravour haben, aber courage et esprit traue ich ihm nicht zu.

Ewig Dein Hormayr

Auch von mir die herzlichsten Glückwünsche. Sie besuchen uns doch gewiß in Hannover auf der Reise nach England?

Maria Hormayr.
 
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Dem Hochgeborenen Herrn
Anton Alexander Grafen von Auersperg
zu
Wien

[Siegel]
 
     
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