Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 7. Februar 1831
 
  Seite 1 Zum Scann
 

München am 7ten Februar 1831.

Ich wollte, theuerster Freund, eine sichere Gelegenheit abwarten, um Deine lieben Zeilen vom 19.ten Dez. zu beantworten. – Frankh that das Klügste, was er thun konnte. Er hat sein Münchner- und sein Stuttgarter-Geschäft ganz aufgegeben, und wieder den Kaufschilling nun wohl auf Reisen verlundern. – Item so ist wenigstens sein theilweise recht schöner Verlag in bessern Händen. – Mein Taschenbuch hast Du also doch erhalten; von Frankhs ruhevoller Akuratesse besorgte ich immer noch das Gegentheil. – Dr. Birch, Gemahl von Mad. Birch-Pfeiffer wird noch mehrere Wochen hier bleiben. Ja sie sucht eine Stelle beym hiesigen Theater, was aber wegen der Schröder nicht wohl angehen wird.

Deinhardstein hat sich hier ziemlich aufgeblasen angestellt, beyläufig wie ein Tieck oder Göthe, – dabey als ächter Wiener-Polizeymann.

Gasser, den Du recht oft besuchen solltest, hält das Inland. Dort kannst Du die Recension des letzten Ritters finden, so wie den Wittelsbacher von Duller.

Raymund ist hier und wird gewiß Furore machen. – Der Minister von Schenk grüßt Dich aufs Herzlichste und Hochachtungsvollste.

Bey Hammer hörst Du, was die Literatur, bey Gasser, was die Politik Neues bringt. – Du solltest beyde Orte recht oft besuchen.

Mein Taschenbuch sey Dir auf's allerbeßte empfohlen. – Je früher Du mir Deinen Beytrag oder gleich ein Paar kleine (so unendlich bescheiden bin ich) durch Gasser senden kannst, um so lieber ist es mir. – Kannst Du noch ein Paar engagiren, verbindest Du mich um so mehr. – Wo steckt denn gegenwärtig Seidel? – Wie er mir Etwas für 1832 durch Dich schickt, möchte ich ihm gerne gleich nennenswerthes Honorar zusenden. – Kann es nicht an Dich
 
  Seite 2 Zum Scann
 

geschehen? Ich weiß nicht einmal ist er in Marburg, Cilly oder Laybach. – Von Leitner, dem trefflichen, mehrhaft Idillischen, wird schwerlich Etwas herauszupressen seyn. Man sagt, er sey ganz melancholisch und wie verloren in häuslichen Kleinlichkeiten. – Ich setze einen hohen Werth darauf, Etwas von Dir zu haben und recht vielen Werth, mein Taschenbuch überhaupt mit mehreren historischen Balladen, Romanzen oder Legenden auszustatten. – Könntest Du mir noch jemand Andern dafür anwerben, um so besser. – In der literarischen Wienerwelt, dürfte es wohl wenig Neues geben? – Spindler ist jetzt auch froh, einen soliden Verlag für sein neues Arbeiten zu haben. – Sein Invalide ist vollendet und höchst ausgezeichnet. – Er hat jetzt mehrere Novellen aus der bayrischen Geschichte unter der Feder.

Lasse mich durch Gasser bald wieder Etwas von Dir hören. Ich umarme Dich tausendmal und von ganzem Herzen.

Tuissimus
Hormayr
 
  Seite 4 Zum Scann
 

[Siegelrest]

Dem Hochgebornen
Herrn Anton Alexander, Grafen von
Auersberg
in
Wien.
 
     
  Zur Brieftabelle von Hormayr Zurück zu Anastasius Grün Zurück zu den Projekten