Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 10. November 1830
 
  Seite 1 Zum Scann
 

München am i0. November 1830.

Dein warmer Verehrer, Legationsrath von Gasser, kehrt so eben aus Paris nach Wien zurück. Er setzt einen hohen Werth auf Deine Bekanntschaft und weiß Dich (beßer als die meisten Oesterreicher) nach deinem Verdienste zu schätzen. – Was Du mir zu sagen oder zu senden hast, oder was Du im Auslande bestellt und gefördert haben willst, das kannst Du mir, mit der größten Sicherheit durch Gasser zusenden, denn die sichern Gelegenheiten, bleiben ihm von i4 zu 14. Tagen niemals aus. – Auf meine Thätigkeit, kannst Du dich in jedem Falle verlassen.

Frankh entwickelt sich jeden Augenblick mehr als vollendeter Narr. – Ich kann unmöglich bezweifeln, daß seine Firma nicht binnen Jahr und Tag zu Grunde gegangen seyn sollte. – Die Münchner Handlung hat er schon verkauft an Dr. Franz, seinen bisherigen, in der That trefflichen Geschäftsführer. – Er will nach Frankreich, – bey seiner Faulheit, der lächerlichste Unsinn von der Welt.

Inzwischen lasse Dich hiedurch ja nicht abhalten, Deine Künftigen Arbeiten ins Ausland und namentlich nach Bayern zu geben. – Schicke sie mir nur, – Riegel und Wiesner, oder Campe in Nürnberg werden ganz andere Bedingungen machen und sie ganz anders halten, als der gutmüthige und doch zugleich höchst unzuverlässige Ultralümmel von Frankh, in dem ich mich selbst ungeheuer geirrt habe, zu meinem größten pekuniären und noch mehr politischen Schaden.
 
  Seite 2 Zum Scann
 

In Cotta's Inland und in Spindler's Damenzeitung sind recht brave Recensionen des letzten Ritters erschienen und von den Norddeutschen Instituten noch viel Interessantes hierüber zu erwarten. –

Schalbacher in Wien hat den Auftrag, Dir ein Taschenbuch zuzustellen. – Wo ist denn Seidel? – Wie kann man ihn für eine Kleinigkeit am willkommensten honoriren? und für das nächste Taschenbuch wieder etwas von ihm erhalten? – Es ist ein unstreitiges Talent, dem ein viel besseres Loos zu wünschen wäre. – Ich möchte verzweifeln über die überschwänglichen Mittel in Oesterreich, über die vielen Talente, die ich dort [durchgestrichen: 1 Wort] entdeckt und erweckt habe. – Auf diesem dürren Boden wird immer wieder von oben, planvoll ruinirt, was von unten herrlich und liebevoll aufblüthe. – Ich bitte Dich inständig, lieber Freund, dafür zu sorgen, daß meines Taschenbuches künftiger Jahrgang, dessen Druck im März beginnt, Etwas von Dir erhalte, von Seidel, von Vogel, – überhaupt wer Historisches giebt oder Romantisches. – Sey so gütig mir Deine Gesinnungen darüber mit einigen Zeilen zu eröffnen, denn das Taschenbuch wird immer mehr eine puissance in Deutschland, zumal in Süd- und Mitteldeutschland, – eine Triebfeder, die gering zu achten, sehr abgeschmackt wäre. Besuche den kreutzbraven Gasser fleißig, – bey ihm sammelt sich mit Hammer, den ich herzlich grüße, Alles, was in literarischer und Kunsthinsicht hervortritt. – Schreibe bald, wenn auch nur wenige Zeilen, – ich umarme Dich tausendmal.

Tuissimus
<Hormayr>
 
  Seite 4 Zum Scann
 

[Siegel]

Dem Hochgebornen
Herrn Anton Alexander Grafen von
Auersberg,
zu
Wien.
Judenplatz. 4ii
erster Stock.
 
     
  Zur Brieftabelle von Hormayr Zurück zu Anastasius Grün Zurück zu den Projekten