Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 7. Juli 1830
 
  Seite 1 Zum Scann
 

München am 7.ten July 1830.

Mit unendlicher Freude erhielt ich durch Rettich und Schwarz die gütigen Zeilen vom 24. Juny und das Wiegenfest zu Gnut. – Was giebt Ihnen auch nur die geringste Ahnung, als wären mir nicht jede Zeile von Ihnen unendlich erfreulich! – Sophien Müllers Tod hat mich wirklich gerührt, de_n ich verlebte mit dem geistvollen Geschöpfe manche schöne Stunde. Sie versprach, nie überbietender Ersatz der Schröder zu werden. – Leutners Untergang ist nicht minder zu beklagen. – Wo steckt denn Seidel? Ich weiß ich ihm nicht einmal ein Briefchen zu addreßiren. – Sie haben Recht mit dem Pfaffen von Kahlenberge – und daß Sie den Friedrich von Tirol einstweilen bei Seite setzten, bis Ihr demüthigster Diener etwa die Ehre gehabt hat, mit Ihnen zu conversiren und [durchgestrichen: gar] zu zeigen, daß gar keine Monotonie möglich sey, sondern Schauplatz, Personen und Tendenzen unendlich verschieden. – Es wurde kein Bock zum Gärtner gesetzt und nur auf das Gedicht als Erscheinung aufmerksam gemacht, wie es nemlich im Auslande gepriesen werde!? Sind Sie einmal in Salzburg, so sind Sie [durchgestrichen: f] auch mit einem einfachen Passierschein in Bertoldsgaden und in den ganzen romantisch-schönen bayrischen Gebirg, das jetzt Jahr für Jahr mehr von Fremden aus ganz Europa besucht wird – oder sie sollten auch einmal einen Paß nehmen über Salzburg und München nach Bregenz und durch Tirol zurück. Die Ufer des Bodensees sind gar zu herrlich. Wegen dem Deutschthum ist schon gesorgt. – Die Rede über die Monu-
 
  Seite 2 Zum Scann
 

ta boica und die Wanderung durch die Arkaden werden Ihnen nur wohl am besten von Freundeshand persönlich übergeben. – Sehr ärgert es mich, daß es gar so tantae molis sey, beynahe mehr als romanam condere gentem, Sie zusammenzubringen mit einem treffllichen Mann und einem der wärmsten Verehrer "des letzten Ritters" und seines Verfaßers mit dem bayerischen Legationsrath und Geschäftsträgervon Gasser (Melkerbastey "Palais Lubomirsky", zu ebener Erde.) Er hat mich längst darum gebeten und würde Sie mit Vergnügen längst aufgesucht haben: – ein wahrer Biedermann und recht brauchbar in verschiedenen Dingen, ein warmer Freund der Literatur. – Wie sehr würden sich die Minister Schenk und Graf Urmannsberg freuen, einmal Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen und wie viel Wüchse in München für Ihren, der Kunst und Wissenschaft so empfänglichen und offenen Geist! – Geistesfähigkeit – und – Sartori! – cela suffit, – c'est tout dit! – Sapienti pauca! – der Weise begnügt sich mit Pauken!

Frankh ist ein guter Kerl, mit den schätzbarsten Verbindungen, sehr unternehmend, – aber allerdings möchte man beständig die Hetzpeitsche in der Hand haben! Freilich, so toll hat er es Wenigen gemacht! als dem allertrefflichsten Anastasius, gegen den er doch von Anbeginn, wahre Anbetung hatte, allein das fiel aber [ergänzt: in] die unglückselige Epoche einer Uebersiedlung mit tausend Zank und Hader, tausend Verdruß und Detail. – Voll Hoffnung – –, mit der herzlichsten Umarmung:

Ihr ganz eigenster
Schwarz.
 
  Seite 4 Zum Scann
 

[Siegel]
["6"
Poststempel: "MÜNCHEN
7 JUL 1830"]

Dem Hochgeboren
Herrn Anton Alexander Grafen von
Auersberg
zu
frei b. z. Grenze.
Wien
Judengasse <No.> 411.
im ersten Stock.
 
     
  Zur Brieftabelle von Hormayr Zurück zu Anastasius Grün Zurück zu den Projekten