Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 14. Juni 1830
 
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München am 14ten Juny 1830.

Hochgeborner Graf!

Verehrungswürdiger Freund!

Sie erhalten diese Zeilen durch den Königl. Bayerischen Legationsrath und Geschäftsträger, Ritter von Gasser, meinen alten Freund, der unendlich begierig ist, Ihre Bekanntschaft zu machen. und auch immer sichere Gelegenheiten hat, wenn Sie irgend etwas ins Ausland schicken wollen. – Sie sollten diese Gelegenheit ja nicht versäumen. – Gasser ist auch mit Salm, mit Zedlitz und Hammer sehr liirt, welcher Letztere der Schlüssel beynahe zu allen literarischen Bekanntschaften ist, die aus allen Ländern nach Wien kommen. – Einen ebenso interessanten Vereinigungsspunkt bietet das Haus des, auch als Geschichts- und Naturforscher rühmlich bekannten bayerischen Ministers Grafen Bray. – Gerade in Ihren Jahren und in Ihrer Stellung sind solche Verbindungen von Wichtigkeit und Graf Bray ist auch vom österreichischem Ministerium ungemein gerne gesehen.

Sie machten ja Ihrem Verleger Hoffnung, Sie etwa in Salzburg oder auf einem andern Punkt der Grenzgebirge zu sehen. – Wie gerne würde ich ihn auf einen kurzen Ausflug dahin begleiten, aber man muß ihm peremtorisch Tag und Stunde vorschreiben, sonst kömmt der Mensch aus lauter gutmüthiger Faulheit und Dicke zu gar nichts. – Es ist nicht schön, daß Sie mein historisches Taschenbuch ganz ohne den Namen Anastasius Grün lassen wollen. – Vom Minister Schenk, dem Verfasser des Belisar, werden Sie genug Balladen darin finden. – S. M. der König haben dießmal wieder

 
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in Italien der Muse sehr glücklich gedient und die Gnade gehabt, mir in Ihrem vorletzten Briefe, eine solche neueste historische Dichtung für mein Taschenbuch zu versprechen. – Sie sehen also wenigstens, Anastasius Grün würde sich in keiner geringen Gesellschaft befinden und ich hoffe noch immer seine Sprödigkeit werde sich mildern und plötzlich unvermuthet, mit der Briefpost, das ersehnte Gedichten anlangen. – Wo sind denn jetzo Seidel und der gemüthvolle Leitner? – Ich habe den letzten Ritter an den König nach Italien und an den Kronprinzen nach Göttingen geschickt, denen er ungemein Freude machte, da Sie darin so viele seelenverwandte Züge und Gefühle wiederfanden. – Der frühe Frankh wird nun doch endlich, nach unzähligem Erinnern und Betreiben meine akademische Rede über die Monumenta boica, das historische Taschenbuch und die geschichtlichen Fresken in  den Arkaden des Hofgartens Euerer Hochgeboren zusenden. – Wollen Sie nur so gütig seyn, mich mit zwo Zeilen Empfangsbestättigung zu beehren, der ich Sie tausendmal umarme und mit der alten Freundschaft und Hochachtung geharre:
Tuissimus
<Hormayr>.

Eben erfahre ich, daß meine Töchter doch die Ehre hatten, eben im Augenblicke ihrer Abfahrt nach Baden, Euer Hochgeboren bey sich zu sehen, und daß wir Hoffnung haben, Sie in München zu begrüßen. der Minister von Schenk freut sich schon herzlich darauf.

 
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[Siegelrest]

Dem Hochgeboren
Herrn Anton Alexander von Auersberg.
zu
Wien.
4ii. Judenplatz
im ersten Stock. –
 
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Innsbruck.
Gubernialrath und Protomendikus von Ehrhardt.

 
     
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