Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 22. Februar 1830
 
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München am 22ten Februar 1830.

Der Ueberbringer dieser Zeilen ist Herr Ferdinand von Liebmann, Herr der Herrschaft Faal in Steyermark, weil man ihn in Oesterreich unaufhörlich mißhandelte, jetzt mit seinem großen Vermögen und mit seinen bedeutenden finanziellen Ke_ntnissen nach München übersiedelt, vom König in den Adelstand und wohl auch bald zum Freyherrn erhoben, und an die Spitze eines wichtigen Unternehmens, einer bayerischen Nationalbank gestellt. – Durch ihn erhalte ich Alles, was Sie mir senden wollen. – Cultiviren Sie ja, edler Graf und theurer Freund, die Verbindung von Salm, von Liebma_n, vom bayerischen Legationsrath Gasser, und durchdiese – des gemüthvollen Baron Zedlitz, mit dem ich unendlich viel von Ihnen gesprochen habe, und des ihm innig verbundenen Hofrathes von Hammer.

Alle der Wienercensur übergebenen Aufsätze können schon ebendeßhalb durchaus nicht anders seyn, als farblos und niederträchtig. Aber ohne sich zu compromittiren, gibt es ein treffliches Mittel, eine höchst interessante und imponirende Correspondenz über österreichische Literatur und Kunst, ins Ausland, an Frankh
 
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zu führen, nemlich selbe an Gasser abzugeben, der sie von Zeit zu Zeit bey sicherer Gelegenheit nach München sendet. – Nur müssen Sie dieselbe addressiren: An den Herrn geheimen Ministerialrath im Departement des Aeußern, Joseph von Belli de Pino, Commandeur und Ritter mehrer Orden – in München.

Tausend Dank für die Beyträge Seidels. – Ich erwarte nun auch etwas von Leitner und von Ihnen. – Das Taschenbuch müssen Sie nun doch längst erhalten haben, – so wie die Lieder der Liebe – und der letzte Ritter, imganz Deuthschland erfreuliches und großes Aufsehen machen werden, denn hier findet kein Servilismus die redliche Anerkennung eines so großen Talents, – selbst in Oesterreich glaubt man es erst, daß Jemand Talent habe, wenn es vom Auslande her, mit dem Ochsenprügel attestirt wird. – Nur noch kurze Zeit, und Ihr edles Talent hat durchgerissen, und wird ebenso hoch geschätzt, wie jenes von Zedlitz, dem Sie als Lieder-Dichter keineswegs nachstehen. – Ob Sie als lyrischer Dichter ebensoviel, als dramatischer ebenso wenig leisten? kann ich nicht beschwören. – Antworten Sie mir schnell unter Belli's Addresse. – Ich umarme Sie hochachtungsvoll und von ganzem Herzen: Tout à Vous
Hormayr

Man hat Ihnen über mich viel vorgelogen. – Glauben Sie es jetzt ebenso wenig als früher. –

 
     
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