Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 27. Juli 1829
 
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München am 27<ten>: Juli. 1829.

"Der letzte [durchgestrichen: Rithter] Ritter" hat meine Erwartung weit übertroffen. – Mein ausführliches Urtheil darüber ehester Tagen. Mit unserm beka_nten Freund habe ich abgeschloßen, leider nur auf zweihundert Gulden Silber, oder fünfhundert Gulden Scheine. – Es that mir selbst leid, nicht höher hinaufgehen zu können, aber er zeigte mir in seinen Büchern das Schicksal aller größern Gedichte, die er unterno_men, während die Romane allein, aber gar herrlich floriren. – Indeß verspricht er einen Nachtrag, wie er nur über den Absatz einigermaßen beruhigt seyn kann.

Die schönste Jahreszeit für München, für das angränzende Salzburgische Gebirg, ist der September. – für weniger als 30 <fl.> geht man mit dem Eilwagen in 38 Stunden von Wien nach Salzburg, bewundert einen halben Tag, diese herrlich Heimath, der Idylle, geht dann wieder mit dem Eilwagen in 14 Stunden bis München, ni_mt sich in Wien einen Paß auf Bregenz, um die Wunder des Bodensees zu schauen, und ni_mt im Heimwege Berchtolsgaden mit, wo der König sich im ganzen September befinden wird. – Versäumen Sie dieses ja nicht. Es ist ein einziger Genuß, der auch Ihren Ideenkreis gar sehr erweitern wird, besonders über bildende Kunst.

In Raitz sind Sie gewiß auf jeden Fall freundlich willkommen, so wie der Herr vom Hause, der alles Gute und Schöne liebt, mir für Ihre Beka_ntschaft ausdrücklich ausdrücklich gedankt hat. – Nichts was gut und schön ist, ist [durchgestrichen: 1 Wort] [ergänzt: ihm] fremd. – und vollends ist die Gräfin der ausgezeichneste weibliche Gönner, den ich je gesehen und geka_nt, Frau von Stael-Neckar mit einbegriffen.
 
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An wen soll ich die zweihundert Gulden nach Wien senden, oder wollen Sie selbe, was noch erfreulicher wäre, selbst abholen? – Nur zwei Zeilen über den richtigen Empfang dieses Briefes. – Ich umarme Sie tausendmal und von ganzem Herzen.

Tuissimus
<Hormayr>.
 
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[Poststempel: "MÜNCHEN", Datum unleserlich]
Herrn Anton Alexander Grafen von
Auersberg
in
Wien.
frei b. z. Gränze.
Sterngasse, nächstens hohem Markt,
452 weisser Stern, Stiege 2 Stock 3.

[Siegelrest]
 
     
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