Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 30. April 1829
 
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München am 30 April i829.

Mit tausend Freunden erhielt ich Ihren lieben Brief vom 25. Febr mitlerweile Ihren, lang in München verweilenden Verleger selber kennen gelernt – und zwar mit Freuden, als einen unendlich thätigen, biedern Mann, voll weitausgreifenden Verbindungen, selbst in England, selbst in Frankreich und der hierin eine große Rolle spielt. – Ich übergab ihm, das bei mir gelegene Duplikat Ihres Manuscriptes. – Allerdings ist mit diesem Menschen etwas Großes anzufangen.

Salm war jetzt lang auf seinen Gütern in Mähren. – Jetzt ist er unpäßlich und zwar auf eine, sehr qualvolle Art, – ich wünsche herzlich, daß Sie ihm besuchen. Nachmittags zwischen halb fünf und fünf  Uhr ist er i_mer zu Hause. Am besten thun Sie, wenn Sie vorher bey ihm anfragen lassen, – denn er hat mir schriftlich sein lebhaftes Vergnügen über Ihre Bekanntschaft bezeugt.

Ebert ist und bleibt i_mer ein höchst ausgezeichnetes Talent, – aber das Epos ist auch eine Klippe, woran die modernen Dichter, Alle scheitern werden, wenigstens in der Totalität.

Die Verfolgung – oder vielmehr die künstliche Unsichtbarkeit der Gedichte König Ludwigs charakterisirt die Wiener Polizey, wenn sie nach irgend dessen bedürfte, –

 
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– Machen Sie doch, eben schnell – und bloß auf meinen Nahmen hin, die Bekanntschaft eines durchaus vortrefflichen Mannes und alten Freundes von mir, des Legationsrathes von Gasser, der nach der Abreise des Gesandten, Grafen Bray, ehestens auch wieder b. Geschäftsträger in Wien seyn wird (Melkerbastey in Fürst Lubomirskyschen Hause, zu ebener Erde.) – da werden Sie auch der Gedichte des Königs Ludwig genug finden, – aber vor Allem, suchen Sie Salm auf, – ich weiß gewiß, Sie werden mir es gar sehr danken.

Geben Sie doch Ihrem Flügepferde noch einmal die Sporen, – so wird ganz gewiß, noch ein kleines liebes Gedicht für mich emporspringen.

Lassen Sie mich, verehrter Graf und Herr, ja recht bald wieder Etwas von sich hören. – Meine Gesinnungen für Sie, bleiben ewig dieselben.
 
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[Siegelrest]
[Poststempel: "MÜNCHEN"]
München Dem Hochgebornen
Herrn Anton Alexander Grafen von
Auersperg, zu Wien.
frey b. z. Gränze
No. 452 Sterngasse
nächst dem hohen Markt,
zum weißen Stern, 2 Stiege 3 Stock.

 
     
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