Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 16. März 1829
 
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München am i6 März 829

Hochgeborner Graf!

Ihre lieben Zeilem vom ii erhielt ich mit herzlicher Freude. – Meine Gesundheit ist wieder gut, und ich hoffe, Sie in Wien zu sehen, wenn ich meine Töchter abhohle und nicht ein neuer, widriger Zufall dazwischentritt.

Mein Archiv nimt freilich ein erbärmliches und verächtliches Ende. Aber gerade so etwas lieben die Machthaber und wären vielleicht am ehesten geneigt, es sogar zu unterstützen. – Solcher herrliche Anschauung ist den Talenten von Herzen gegönnt.

Alles von Anastasius Grün und von Seidl, wird mich ungemein erfreuen. – Das historische Taschenbuch, war eine zu schöne Schöpfung, als daß ich sie könnte untergehen oder auch in so ultra erbärmliche Hände ko_men lassen, wie das Archiv.

Über Max I und Carl V fühlte, dachte und schrieb ich mit redlicher Begeisterung und mit einer, die für das hi_mlische Land und für das treffliche Volk Österreichs ewig in mir leben wird.

Die in May i826 des Archivs abgedruckte Übersicht seiner Leistungen zeigt Eurer Hochgeborn viele herrliche Züge bei den großen Fürsten.

Frank, ist ein tüchtiger Verleger

 
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und ein erbitterter Gegner von Cotta, welchem er in Allem und jedem, maßlos entgegenwirkt.

Cotta hat ungeheure Mittel, aber das Alter und der Reichthum schwächen seine Thätigkeit. Indessen gilt sein Name imer noch sehr viel. – Vultis, jubeatis quirites so liefre ich die Handschrift an Frank aus., – da Cotta etwa erst in i0 Tagen, nämlich gegen Ende März von Berlin zurück eintrifft. – Wegen der Bedingungen wäre es freilich besser gewesen, Beides bey ihm erscheinen zu lassen, den Max und die Lieder der Liebe. – Ich will indessen Ihrer eigenthümlichen Entschließung nicht im Geringsten vorgreifen. – Die Gedichte König Ludwigs von Bayern dürften nun auch schon in Wien seyn? – ich schickte das erste Exemplar an Salm, wessen gewichtige Bekanntschaft Sie ja recht kultiviren sollten, denn wenige Menschen sind ihm an Gemüth, noch wenigere, der Gräfinn an Geist zu vergleichen. – Was giebt es denn sonst Neues und Werthvolles in der österreichischen Literatur? ich denke, man wird nicht gar schwer daran tragen.

Ich empfehle Ihnen, edler Graf, das Taschenbuch, als eine wahrhaft vaterländische Angelegenheit, bin zu allen Ihren Befehlen bereit und umarme Sie tausendmal:

Tout à Vous
Hormayr

Eine Ballade von einem Auersperg ziemte Ihnen doch wohl vor Allen.

 
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[Siegelrest]
[Poststempel »MÜNCHEN
15. MAR 1829«]
Dem Hochgeborenn
Herrn Anton, Alexander Grafen
von Auersperg,
frey b. z. Gränze
zu
Wien.
Blutgassel 849 im
2. Stock.

 
     
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