Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 12. Februar 1829
 
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München am i2 Febr. 829.

Cottas’ Abwesenheit in Berlin, (von wo er erst in i0, i2 Tagen zurückerwartet wird,) trägt die Schuld, verehrter Graf, daß ich Ihre lieben Zeilen vom 20 Jänner und den Empfang der "Blätter der Liebe", nicht früher gemeldet habe. – Senden Sie nur auch bald, Ihr episches Gedicht, das ich geradezu den "letzten Ritter" nehmen würde, denn das ist die eigentliche Spitze und vertrauen Sie fest meiner Thätigkeit und meiner Liebe für Sie und für dieses Fach das ich seit 20 Jahren mit beinahe leidenschaftlicher Thätigkeit gewebt habe. Diesen Brief erhalten Sie durch den Grafen Salm, meinen vieljährigen edeln Freund (707 alten Fleischmarkt im i Stock). Haben Sie mir etwas Bedeutendes zu schicken, so geben Sie es an den bayrischen Legationsrath Ritter von Gasser (Melkerbastey, Palais Lubomirsky). Die Bekanntschaft dieser beiden vortrefflichen Männer, macht’ Euer Hochgeborn gewiß viel Vergnügen und hie werden Sie mit Vergnügen empfangen.

Es wird mir eine unendliche Freude seyn, einige historische Balladen oder Legende zu erhalten von Anastasius Grün, wie von Leitner und Seidel. Es thäte mir sehr leid, auch diese schöne Schöpfung untergehen oder von ein paar elenden Tröpfen zerfetzen zu lassen, wie es leider mit dem Archive geschieht, das sich aber unmöglich lange halten kann außer man gewährt ihm etwas jetzt, weil es gesunken ist, Unterstützung, während man es neckte und verfolgte, so lang es aufrecht stand.
 
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Fahren Sie nur eifrig fort in Ihren Arbeiten – Diese trösten und halten empor in mancher Widerwärtigkeit des Lebens, die man mit entschlossenen Gemüthe tragen muß.

So wie Cotta ankö_mt, werde ich keinen Augenblick säumen, mit ihm abzuschließen, und Ihnen, das Resultat übersenden, der ich mit der ausgezeichnetesten Hochachtung und mit der freundschaftlichsten Ergebenheit geharre:
Ganz der Ihrige
Hormayr

Ich denke, in der österreichischen Literatur ist es ganz stille, – was noch mit den Jahrbüchern geschehen wird? – Die Provinzialmusäen sind doch wenigstens sehr liebe, conservatorische Punkte und in Ungarn und Böhmen herrscht ein Leben, das erfreulich und nachhaltig ist.

 
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Dem Hochgebornen
Herrn Anton Alexander Grafen von
Auersperg,

N 849 im 2 Stock, in
Blutgassel neben
dem deutschen Haus.
Wien

[Siegel]

 
     
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