Siegel von Hormayr  
  Brief von Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg an Grün
München, am 10. Jänner 1829
 
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München am i0 Jänner _829 Freytags

Hochgeborner Graf!

Mit der herzlichsten Freude erhielt ich Ihre liebenswürdige Zuschrift vom 4 Jänner und bitte Sie mir Ihr größeres, episches Gedicht sowohl, als einzelne gelungene Leistungen, gerade durch den Postwagen zuzusenden und sowohl meiner aufmerksamen Lesung, als meines aufrichtigen Urtheils gewiß zu seyn. – Der Verleger ist in Baron Cotta schon gefunden und ich würde Ihnen nicht einmal rathen, schon vorhinein auf jedes Honorar zu verzichten, denn bei aller eigenen, höchst lobenswerthen Uneigennützigkeit kosten denn doch manchmahl die Studien sehr viel, auch kann man Andere manche Ermunterung gewähren. Wenn Sie mir also Ihr Manuskript senden, so schreiben Sie mir zugleich einen ostensiblen Brief , worin Sie den Punkt des Honorars mir auszufechten überlassen. – Cottas’ Damen-Taschenbuch behauptet jetzt wieder einen vorzüglichen etage und wir i_mer reichhaltiger und glänzender ausgestattet. – Sollte Ihre Dichtung nicht dort abgedruckt werden und dann auch wieder besonders, wie es mit Zedlitzens Todenkränzen geschehen ist? senden Sie mir nur Ihr gewiß treffliches Werk sobald als möglich

 
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und noch vorher Ihre "Blätter der Liebe"– ich werde damit eilen, damit sie zu Ostern gewiß ans Licht treten. – Der Entschluß der Pseudonymität ist im höchsten Grade zu loben. – Nur allein durch diesen, kann selbst in der unschuldigsten Sache noch Etwas geleistet werden. – Mein historisches Taschenbuch, erscheint ununterbrochen bei Cotta und der reiche Vorrath meiner österreichischen Materialien zum Archiv in den beiden, merkwürdigen Journalen Cottas’, dem Innland und dem Ausland, die wohl in Wien völlig unbekannt sind. Wie sehr würde ich mich freuen, wenn Sie und einige meiner unvergeßlichen Wiener Freunde, das Taschenbuch, mit einer dichterischen Gabe von Balladen oder Legenden erfreuen wollten? – Was ich in 25 Jahren in Österreich angeregt und gewirkt, wird doch nicht vergehn, so sehr auch eine gewisse Parthei es sich zur eifrigsten Angelegenheit gemacht hat, mich in der Abwesenheit zu verunglimpfen, wie in der Anwesenheit zu verfolgen!? Das hochachtungsvolle Andenken an so viele treffliche Männer, an soviele, jugendliche Talente, wird mir durch die Trennung nur umso theurer. – Je öfter ich von Ihnen höre, desto lieber wird es mir seyn. – Verschonen Sie mich übrigens mit jedem Titel, als mit dem Ihres alten Freundes und bereitwilligsten Dieners:
Hormayr

Meine Adresse: wirklicher Geheimrath und Kä_merer, i030 Färbergraben.

 
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[Siegelrest]
[Poststempel "MÜNCHEN
JAN. 1829"]
München
Hernn, Anton Alexander Grafen von
Auersperg
frey b. z. Gränze
zu
Wien
Blutgasse Nr. 849 im
2 Stock.

 
     
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