Literatur- und kulturgeschichtliches Handbuch der Steiermark im 19. Jahrhundert online
Lexikon

Anna Maria, Erzherzogin von Österreich
geb. Anna Plochl
ab 1835 Freifrau von Brandhof, ab 1850 Gräfin von Meran

Anna Maria Erzherzogin von Österreich, geb. Anna Plochl

Quelle: Wikipedia

Impressum

Geb. 6. Jänner 1804 in Bad Aussee (Steiermark), gest. 4. August 1885 in Bad Aussee.
Ehefrau von Erzherzog Johann.

Anna Plochl kam als ältestes Kind des Ausseer Postmeisters Jakob Plochl und dessen Ehefrau Anna geb. Pilz zur Welt. Nach dem Tod der Mutter übernahm sie den Haushalt und betreute ihre jüngeren Geschwister. Im Alter von 15 Jahren begegnete sie am 22. August 1819 am Toplitzsee im steirischen Salzkammergut Erzherzog Johann (1782–1859). Wäre es nach dem Willen Johanns gegangen, hätte das Paar bereits 1823 geheiratet. Seinem Bruder – Kaiser Franz II./I. (1768–1835) – war die Verbindung mit einer Bürgerlichen jedoch ein Dorn im Auge. Er gab zu verstehen, dass er wünsche, Johann möge auf diese Ehe verzichten.

1823 übernahm Anna den Haushalt Johanns in Vordernberg und 1824 schließlich den des Mustergutes 'Brandhof' bei Mariazell (beides Steiermark). Am 18. Februar 1829 kam es dann doch zur Eheschließung, und zwar um Mitternacht in der Kapelle des Brandhofs. Es handelte sich um eine morganatische Ehe – weder Anna noch ihre Nachkommen durften in der offiziellen Genealogie des Kaiserhauses aufscheinen. Erst 1833 durfte die Ehe offiziell bekannt gegeben werden.

1834 wurde Anna zur Freifrau von Brandhof geadelt. Am 11. März 1839 wurde das einzige Kind des Paares, Franz (1839–1891), geboren. Franz wurde am 30. Dezember 1845 – nach einer Intervention Erzherzog Johanns bei Fürst Metternich (1773–1859) – zum Grafen von Meran erhoben, eine Ehre, die seiner Mutter erst 1850 durch Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) zuteil wurde.

Anna Plochl engagierte sich in wohltätigen Belangen und förderte u.a. als prominente Schirmherrin den vom Kinderspitalsverein betriebenen Bau eines Kinderspitals in Graz, das 1844 in der Klosterwiesgasse 147/148 mit acht Betten eröffnet wurde. Sie setzte sich für eine Vergrößerung des Krankenhauses ein und 1877 konnte das neue Haus, das nach ihr benannte 'Anna-Kinderspital' in der Mozartgasse, in dem ab 1881 auch die Kinderklinik der Universität untergebracht war und das bis 1969 als Kinderspital und Kinderklinik in Betrieb war, seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Beziehung zwischen Erzherzog Johann und seiner Frau ist in romantischer Verklärung in die Geschichte eingegangen. Das zeigt sich u.a. daran, dass sie den Stoff mehrerer Liebesromane bildet, während gleichzeitig biografische Einträge in wichtigen Lexika des 19. Jahrhunderts fehlen. Dies ist nicht nur dem Umstand geschuldet, dass Frauen ganz allgemein seltener in biografische Lexika aufgenommen wurden, sondern auch der Tatsache, dass Anna Plochl aus der Genealogie des Hauses Habsburg ausgeschlossen war. (So widmet ihr etwa Constantin Wurzbach in seinem 60-bändigen "Biographischen Lexikon des Kaisertums Österreich", das ansonsten auch die von Habsburgern geheirateten Ehefrauen akribisch aufführt, bei den Habsburgern keinen eigenen Eintrag. Auch in aktuelleren Nachschlagewerken wird Anna zwar unter dem Eintrag zu ihrem Mann erwähnt, ein eigener Artikel fehlt aber meist. Gibt es doch einen eigenen Eintrag, so ist dieser teils unter P wie Plochl, teils unter M wie Gräfin von Meran zu finden. Die in der PND (Personennamendatei) gewählte Ansetzung des Namens als "Anna Maria <Österreich, Erzherzogin>" hebt zwar die herkunftsbedingte Diskriminierung auf, macht Anna Plochl jedoch mit einem Titel, den sie nie führte, zum bloßen 'Anhängsel' ihres Ehemannes.) Dass die Beziehung nicht so idyllisch war, wie sie zwecks Konstruktion von Erzherzog Johann als 'beliebtem Mann des Volkes' oft geschildert wird, belegt Elke Hammer in ihrem Aufsatz "Anna Plochl und Erzherzog Johann – Kehrseiten einer 'lieblichen Romanze'" (siehe Literaturangaben) anhand von Briefen aus dem steiermärkischen Landesarchiv.

 

Abkürzungsverzeichnis

Literatur:

NDB Bd. 7, S. 111f. (Familienartikel über die Grafen von Meran)
ÖBL Bd. 6, S. 266f.
Basch-Ritter, Renate: Anna Plochl. Die Frau an der Seite Erzherzog Johanns. Spurensuche durch zwei Jahrhunderte. Graz: Akademische Druck- und Verlags-Anstalt 2005.
Erzherzog Johann von Österreich: Der Brandhofer und seine Hausfrau. Von ihm selbst erzählt. Hrsg. von Manfred Wokaun. Wien: Czernin 2003. (= Bibliothek der Erinnerung. 2.) [EA 1930]
Erzherzog Johann von Österreich: Wenn Du nur schon bey mir waerest ... Aus Tagebüchern und Briefen von Erzherzog Johann und Anna Plochl. Hrsg. von Lutz Mauerer. Grundlsee: Kulturelle Arbeitsgemeinschaft Grundlsee 1997. (= Grundlseer Schriften. 1.)
Hammer, Elke: Anna Plochl und Erzherzog Johann – Kehrseiten einer "lieblichen Romanze". In: Mitteilungen des steiermärkischen Landesarchivs 48 (1998), S. 299–332 und in: http://www.verwaltung.steiermark.at/landesarchiv/publikat/mstla/1998_48/mstla48_14.pdf.
Wietersheim-Meran, Maria Theresia von: Anna. Die Gemahlin des "steirischen Prinzen" Erzherzog Johann. Konzept, Redaktion: Uta Gruenberger. Anif: Edition Muße 2010.

 

Autorin des Artikels:

Birgit Scholz, April 2011

 
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Ausschnitt: Lettau: Erzherzog Johann vor Landschaftshintergrund, 1844