Siegel  
  Beilage von Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 2. Februar 1855
 
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Oesterreich.
Ansprache des Hofraths Freiherrn Hammer-Purgstall’s
bei der Aufstellung seines Porträts in der k. k. orientalischen Akademie
am 1. Februar 1855.

 
 

Geehrte Herren!

Am Vorabende des Festes der Lichtmesse, die auf denselben Tag fällt, wo im alten Persien das älteste Fest der Welt, das Feuerfest Sade gefeiert ward, am Vorabende des Tages der Lichtmesse, an dem ich morgen vor sieben Jahren die Eröffnungsrede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften als ihr erster Präsident hielt, habe ich das Vergnügen, der Aufstellung meines vom Herrn Direktor der k. k. orientalischen Akademie Herrn Oberstlieutenant v. Körber verlangten Porträts beizuwohnen.

Erlauben Sie, daß ich mit dem Danke für diese Ehre ein Paar Worte darüber verbinde, worin denn eigentlich das Verdienst besteht, das ich mir seit mehr als einem halben Jahrhundete um die orientalische Literatur überhaupt und um die Oesterreichs insbesondere erworben habe; dieses Verdienst liegt nicht in meinen Werken und in den Studien, welche den Studirenden schon durch sich selbst belohnen, sondern zuerst darin, daß ich meinen seligen Freund den Grafen Wenzeslaus Rzewuski zur Kostenbefreiung der Fundgruben des Orients bewogen und die Herausgabe derselben durch zehn Jahre unentgeltlich besorgt habe; es liegt dann darin, daß ich mein ganze väterliches und mir im Dienste erspartes Vermögen auf den Ankauf von orientalischen Handschriften verwandte, welche ich erst selbst in Syrien, Egypten und Konstantinopel kaufte und dann den Ankauf derselben während zwanzig Jahren durch meine Freunde, den Freiherrn v. Ottenfels und die Herren v. Hußar und Raab zu Konstantinopel besorgen ließ. Ich trat diese Sammlung eines halben Tausends von Handschriften um den Kaufpreis mit den Rechnungsbelegen der genannten Herren der kaiserlichen Hofbibliothek, unter der Präfektur Sr. Exz. des Hrn. Grafen Moriz v. Dietrichstein, um zehntausend Gulden C.M. ab. Einen Theil dieser Summe verwandte ich auf die Herausgabe orientalischer Texte, wie die der persischen Uebersetzung "Marc Aurels" und des "Rosenflors des Geheimnisse" (dessen Herausgabe nur Ihre Majestät die Kaiserin Karoline durch ein großmüthiges Geschenk förderte), auf die Herausgabe der arabischen Texte der "goldenen Halsbänder" Semachscheri’s, der Abhandlung "O Kind" Gasali’s, dann des türkischen Textes der "Rose und Nachtigall" Fasli’s, des "Falknerklee’s", der "Zeitwarte des Gebets" und endlich vor einem Jahre zur hundertjährigen Feier der Gründung der k. k. orientalischen Akademie auf die Prachtausgabe der "Taije". Die Druckkosten meiner "Geschichte der arabischen Literatur", von welcher, Gott sei Dank! sechs Quartbände bereits vollendet sind, betragen im Durchschnitte achtzehnhundet Gulden C.M. und der Ertrag nach Abzug der Buchhändlerprozente nicht den vierten Theil der Druckkosten. Ich habe also, ohne je vom Staate auch nur Einen Heller auf die Herausgabe eines orientalischen Werkes erhalten zu haben, bei weitem mehr als zehntausend Gulden zum Besten der orientalischen Literatur verausgabt und wüsste nicht, daß je ein Orientalist vor mir desgleichen gethan hätte.

Da ich nie mit diesem mir um die orientalische Literatur erworbenen Verdienste geprahlt, so waren Ihnen, geehrte Herren, diese näheren Umstände vermuthlich unbekannt, und ich ergreife die Gelegenheit des heutigen Tages, um diese Thatsache in der Akademie, aus der ich hervorgegangen, für die Geschichte der orientalischen Literatur feierlich niederzulegen.

 
     
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