Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 10. November 1852
 
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[Poststempel "W[ien] 10[unleserlich]"]
[Poststempel "Gratz 11. Nov:"]
[Poststempel "Bahnhof 12/11 [unleserlich]"]
[Poststempel "Gurkfeld 12/11"]
An Herrn Grafen Anton
von Auersperg

 
  Bei seiner Excellenz    
  dem Herrn Landeshaupt<mann> [durchgestrichen: Gratz]  
  Grafen von Attems    
  abzugeben Thurnamhart  
  par Steinbrücken et Gurkfeld    
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Wien den 10 November 1852

Ich muß dir endlich doch selbst schreiben verehrter Freund, da alle meine mündliche Nachfragen die ich dir durch unseren gemeinschaftlichen Freund J. Gleispach sandte, bisher unbeantwortet geblieben, und du mir die funf ersten Bücher meines dir zu verherden didactischen Gedichtes noch i_mer nicht zurückgesendet hast wiewohl du mir hoffen ließest daß du es im Frühjahr nach Wien bringen würdest.

Ich habe mich uber die vielen Verdrießlichkeiten die mir der Sommer brachte in der Vollendung meines Mesnevi getrostet (über den Inhalt des Dschelaleddin Rumi’s lese ich nun in der Academie) und ich werde dir das sechste <und> siebente Buch senden sobald du mir die funf ersten mit deinen Strichen und Bemerkungen zugesendet haben wirst. Indessen sende [?] ich dir hier einen besonderen Abdruck der Zueignung meiner Geschichte der arabischen Litteratur darin zwey unter [unleserlich] Buche [?] so eben erschienene. Was dich darin interessiren kann ist nur die Einleitung von der ich dir ohnedies voriges Jahr als [unleserlich] einen besonderen Abdruck übersendet habe.

Mir war es sehr leid daß ich dich in der Steiermark nicht sah, und dich nicht sprechen konnte, auch itzt habe ich dir Manches zu sagen, das sich nicht wohl schreiben läßt. Zedliz ist wie du aus den Zeitungen gesehen haben wirst wieder [durchgestrichen: als] in poliitsche und diplomatische Thatigkeit getreten, als Artikelschreiber in Lloyd oder L. [unleserlich] und als braunschweigischer [?] Geschaftsträger, welche Stelle ihm I. Schwarzenbg mit tausend [?] Thalern verschafft hat. Mich [?] wird das Vorzi_mer des Fursten meines Chef wohl zum letztenmale gesehen haben seit dem er mich bei meiner Ruckkunft aus der Steiermark durch 14 Tge alle Tge mehrere Stunden warten ließ, bis ich ihm am 14t Tge einen lakonischen Brief darüber schrieb, daß es weder gut noch recht sey, daß er den Senior aller seiner Untergebenen, den Senior an Lebens- und Dienstjahren auf diese Weise vor den Thürhütern demüthige. Er mußte manch bittere Wahrheit anhören auf die er kein Wort zu entgegnen im Stande war bis er mich mit den Worten daß es Zeit zum Ministerrathe sey entließ.

Ich hoffe dir und deiner Gnädigsten hat das Seebad gut angeschlagen. Ich umarme dich

dein treuer Freund Hammer Purgstall

 
     
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