Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 31. Dezember 1849
 
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Wien den 31 December 1849

Kein schöneres Neujahrsgeschenk hättest du mir nicht geben können verehrter und geliebter Freund als diesen Brief und die denselben begleitende Gabe der neuesten Ausgabe des Schuttes durch den du mich in die Walhalla der Unsterblichkeit eingeführt. Bis ich dir meinen Dank dafür durch die Widmung meines morgenländischen Lehrgedichtes (wovon ich dir schon bei der ersten Ausgabe des Schuttes sprach, das aber leider! bisher noch nicht zur Hälfte gediehen) oefentlich ausspreche kann ich dir Nichts als academische Arbeiten entgegenen, die zum Theile die Ursachen jener Verspätung.

 
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Wenn dich die Abhandlung über die Siegel wenig und die uber das geographische arabische Werk noch weniger ansprechen wird, so wirst du gewiß die Paar Blatter über den Lotostalisman mit Interesse lesen, und deine gnädige Frau Gemahlin dürfte von der Inschriftsverbräm<ung> [?] als Souveranitätsrecht der Frauen im Morgenlande [unleserlich]. Ich kusse ihr zum neuen Jahre ehrfurchtsvollst die Hände.

Hätte ich gewußt daß du auf deinem Gute so hätte ich dir dorthin das Packet das ich vom Gotheverein zur Beforder<ung> an dich erhielt wie dieses Packet durch die Postwagen abgesendet, so adressierte ich es nach Gratz S. E deinem Herrn Schwiegervater empfohlen.

 
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Da man mir auch ein Blatt des Göthealbums zugesendet hat, so konnte ich vorher Nichts Anderes als ein [unleserlich] hineinschreiben, und wählte dazu die neun Reime die ich in der deutschen Sprache auf Göthe fand, wovon der unglücklichste und schwierigste wohl die Kröte. Was mich bewogen die Prasidentenstelle der Academie aufzugeben wirst du wohl aus meiner Abwehr in der AZ. (15 October) ersehen haben; diese hat mir in der Gesamtsitz<ung> Ende Octobers neue Unbilden Ettingshausens zugezogen, so daß ich seitdem keine Gesamtsitz<ung>en mehr besuche wohl aber noch [unleserlich] Classe als [ergänzt: der] Ältestvorsitze. Ettingshausen erklärte darin oefentlich [durchgestrichen: mit] in einer Schrift mit seinem Namen gegen mich auftreten zu wollen, da diese bis itzt aber noch nicht erschienen so hat er sich villecht eines Besseren besonnen.

 
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Dem Münster Curator habe ich erklärt daß die nächste Unbilde die mir wieder angethan wurde, mich nothwend<ig> zwingen würde nicht wie itzt schon von den Gesamtsitz<ung>en wegzubleiben sondern ganz auszutreten; bei den wichtigeren Geschäften aber, wovon er die Hande voll hat scheint er sich nicht viel um die Academie zu kümmern.

Da Hainfeld [unleserlich] die Kosten eines Verwalters nicht abwirft habe ich alles Vieh <und> Geheu [?] verkauft und will nun auch alles bis auf Wald Garten <und> Schloß verpachten. Der Garten ist [unleserlich] der Orangenbaeume lieb, zwischen denen <und> den Rosenbaeumen ich so gerne spatzieren gehe, weshalb ich auch die Inschrift aus Lafontaine hingesetz. Orangers arbres que j’adore etc [?] Ich hoffe noch zu erleben daß du dort mit deiner Frau Gemahlin besuchest deinen dir herzlichst ergebenen Freund

Ha_mer Purgstall

 
     
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