Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Döbling, am 20. Juli 1845
 
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Döbling den 20ten Julius 845

Ich besitze geliebtester und verehrter Freund Hormayrs Archiv nicht vollständig, und das Schlimste ist das ich nicht weiß in welchem der zahlreichen Bande der Aufsatz Richters zu suchen; indessen werde ich morgen in der Stadt nachsehen und wenn ich den selben finde dir den Band sogleich mit diesem Briefe schicken, fände ich das Gesuchte aber nicht den Brief allein auf die Post geben, verschaffen konnte ich dir denselben nicht, da ich Niemanden kenne der das Archiv besitzt als die beiden Bibliotheken die es nicht ausleihen, da könntest du es weit eher aus dem Joa_neum beziehen und Wartinger wüsste gewiß in welchem Bande der Aufsatz zu suchen; vielleicht hilft mir die osm. Geschichte denselben zu finden.

 
  verkehrt an den unteren Seitenrand geschrieben  
 

Ich habe den Aufsatz trotz allem Suchen nicht gefunden, fänd ich ihn noch vor meiner Abreise wurde ich denselben [unleserlich].

 
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Zum Behufe der Schreibung derselben habe ich auch Khils [?] Werk in Händen gehabt, erinnere mich aber nicht mehr aus welcher Bibliothek, ich glaube aus der Kaiserlichen.

Dein junger Freund Schlechta den mir Herz gebracht hätte heut bei mir speisen sollen, kam aber gestern um sich zu entschuldigen weil er nach Stuppach geht; ich habe seine Ubersetz<ung> gelesen und bin damit sehr zufrieden, vorzüglich mit dem ächt türkischen Zuge des Begleitungsbriefes den er mir schrieb, desgleichen ich nie in meinem Leben zusammengebracht hätte indem meine turkische Schrift nicht viel besser als meine deutsche und in keinem Falle ächt türkisch.

 
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Die Anemonen sind das Schändlichste was Hormayr je geschrieben weil es aus seiner Rachesucht eingegeben blos um die ganze Dynastie Habsburg von Rudolph I an bis Maria Theresia in Koth zu treten, mit einem Aufwande von Lügen, [durchgestrichen: vor] die er sehr wohl als solche kennt aber dennoch trotz seiner Uberzeugung z B die Unschuld Wallensteins, des Martinusius u.s.w. als Wahrheit verkaufen will. Ich habe jedes Blatt der geheimsten Arten welche die Turkei betreffen gelesen und nirgends eine Spur gefunden daß Oesterreich, welches gegenüber den Türken stäts für seine Hauptstadt und Existenz zitterte jemals mit ihnen, und sie mit den Jesuiten gemeine Sache gemacht hätten, und so ist wenigstens die Hälfte dieses Schandwerks erlogen.

 
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Partheischriften, oder reine Fictionen wie zu.l. [?] jenes Protocoll einer ungar. Conferenz das er einmal in einem Taschenbuch gab giebt er für historische Thatsache aus, und nimt alle Lügen politischer Leidenschaftlichkeit als Wahheit an; wie es mit dem Volksgerede und dem Stadtgetratsch beschaffen davon hättest du noch vor ein Paar Wochen hier ein Beispiel erleben konnen da du und dein Vetter von Mockritz [?] in allen Maeulern als Bauernschinder herumgetragen worden seyd, und von einem durch euere Unterdrück<ung> veranlassten Bauernaufstand die Rede gieng. Im Hormayrschen Geiste der Anemonen würde dies für reine Wahrheit gelten. Diesmal hat er den F. Mett<ernich> gelobt um desto sicherer unter der Aegide dieses Lobs die Habsburger abschlachten zu kö_nen: Hierin glaub ich hat er sicher gerechnet: Ich hoffe dein Rückweg fuhrt dich mit deiner gnädigsten Frau über Hainfeld in

die Arme deines treuen Freundes Ha_mer Purgstall

 
     
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