Siegel  
  Beilage von Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Am 24. April 1834
 
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(Vorläufige Bekanntmachung des österreichischen Universal-Lexikons.)

 
  Oesterreichische
National-Encyclopädie;
oder
alphabetische Darlegung
der
wissenswürdigsten Eigenthümlichkeiten
des
österreichischen Kaiserthumes,
in Rücksicht auf
 
 

Natur, Leben und Institutionen, Industrie und Commerz, öffentliche und Privat-Anstalten, Bildung und Wissenschaft, Literatur und Kunst, Geographie und Statistik, Geschichte, Genealogie und Biographie, so wie auf alle Hauptgegenstände seiner Civilisations-Verhältnisse.

Im Geiste der Unbefangenheit bearbeitet.

Unter diesem Titel ist ein Werk im Entstehen, welches (während noch kein anderer Staat solch ein selbstständiges Buch besitzt,) die Individualität des österreichischen Kaiserthums in der bequemen Form eines Lexikons umfaßt.

Sechs Bände stark, wird es ehestens dem Drucke übergeben.

Diese National-Encyclopädie ist die Frucht vieljähriger Vorarbeiten und vereinigter Kräfte. Ihre Artikel (von denen ein sehr großer Theil überhaupt zum ersten Mahle erscheint,) sind aus unmittelbaren Quellen geschöpft. Den Bearbeitern war und ist zu

 
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unbeschränkter Benützung eine Privat-Bibliothek von mehr als 12000 Bänden Oesterreich behandelnder Schriften zu Gebothe. Zwei erfahrne Redactoren, im eigenen Besitze außerordentlich reicher Materialien an Handschriften und Büchern, befinden sich an der Spitze. In Auffassung und Ton von der nur zu sehr herrschenden Sitte unbedingten Lobredens abweichend, wird sich das Werk durch würdige, umsichtige Wahrheitstreue männlich und redlich unterscheiden. Es ist das Ergebnis nüchterner Liebe zum Stoff, freudigen Muthes, energischer Beharrlichkeit, glücklicher Bekämpfung vielfacher Schwierigkeiten.

Aus diesen Gründen wird das Product wohl das allgemeine Zutrauen in Anspruch nehmen dürfen.

Dieß ist vor der Hand die einfache Veröffentlichung eines Buches, geeignet, ein reelles Bedürfnis zu befriedigen, indem es ein Central-Repertorium der Vaterlandskunde bildet; ein Hand- und Haus- oder Auskunfts- und Geschäfts-Handbuch des innern und äußern Lebens, für jeden civilisirten Bewohner des österreichischen Kaiserthumes. Von selbst aber widmet es sich insbesondere auch dem gesammten Auslande, dessen Ansicht und Kenntnis von Oesterreich durch die vielen Schilderungen nicht-österreichischer Schriftsteller vielleicht nur noch mangelhafter geworden.

Ende April 1834.

Die beyden Herausgeber.

 
     
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