Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 14. April 1834
 
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Wien den 14 April 1834

Ich hätte zwar liebster Freund deinen Landsmann Advocaten abwarten können um deinen vor zwey Tagen erhaltenen Brief vom 9 März zu beantworten, ich thue es aber lieber so gleich da es möglich dass meiner eben so lang unterwegs bleibt als deiner. Seit meiner Rückkunft hat sich meine Gesundheit wirklich gebessert, Gott sey Dank, auch hatte ich keine so magenumkehrende Anlässe als die Abstockung der Kranichsschlucht. Wenn ich deinen Brief recht verstehe so istís bei dir

 
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gerade umgekehrt; dir hat man neue Pflanzungen angelegt, [durchgestrichen: stat] dort sind aber die alten ausgerottet worden; über das Erste ist wohl nicht so viel zu klagen als das zweyte, besser ists zu viel bandiren als gar nicht. Da muss ich dir doch eine Stelle aus der zu [unleserlich] vorigen Jahrs erschienenen Lebensgeschichte des Propheten herschen [?], welche unmöglich fur die Jahrbucher, in denen ich diese – Lebensgeschichte anzige paßt. Moseilema und Sidschah jener ein Dichter diese eine Dichterin, jener in Jahren vorgerückt, diese in den bessten liessen sichs beiko_men [?] nach Moha_meds Beispiel auch Propheten seyn zu wollen. Sie [durchgestrichen: gaben sich] bestellten sich zusamen um ihre gegen

 
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seitigen Ansprüche auf Prophetenkraft zu legitimiren. Nach dem sie lange hin und her gesprochen und debattirt sagt Moseilema:

Siehst du denn nicht dass es mir steht?

Sidschah
o Wunder! ja! du bist Prophet!

Dies war der einleuchtende Beweis dem sie sich ergab. Solche Wunder wirkst du in der Menge [durchgestrichen: und] [ergänzt: aber] der Ostern auch dazu. Diese habe ich auf der Rückreise in der Erinnerung durchgenossen [?] und da ist mir ein Bezug auf die fünften eingefallen, daß wenn du auf diese Weise die Welt zum Ideal des goldenen Zeitalters zurückführst, du es bei[durchgestrichen: m] [ergänzt: der] unerkannten Waffe nicht allein bewenden lassen sondern auch noch einige Verse hinzufügen sollest wodurch die Vernunftherschaft des Menschen durch Selbstregier<ung> des Individuums ohne den Bedarf [unleserlich] Massregeln von aussen hervorgehoben würde.

 
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Zedlitz sagt, du müssest einen Brief von ihm erhalten haben; Rockert hore ich klagt ihn wegen der ihm als Redacteur der Vesta vorausbezahlten 400 Gul<den>. Aus Taßo hat er gemacht was Interesse der [unleserlich] <und> schöne Sprache aus einem so untragischen Helden als Taßo ist, zu machen im Stande. Mein Bruder, der dich nicht gesehn, und mir nicht verzeiht nicht nach Graz gekommen zu seyn, schrieb mir du habest deine Bewerbungen um Frau Mandel mit neuem Eifer erneut. Dem Erzherzg [durchgestrichen: sollst] musst du bei der ersten Gelegenheit Glück wünschen zur Anerkenn<ung> seiner Gemahlin als Freyin vom Brandhof, die ihn sehr glücklich macht, (beide, sowohl die Ernennung als die ernannte). Die arme [2 Wörter unleserlich] stirbt. Die drey Sch. (Schwiegerv. Schwäger <und> Schwagerinen) danken fur deine gutige Erinerung samt meiner Frau <und> ihrem Manne deinem [unleserlich] Freu<nd>

Ha_mer

 
     
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