Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 20. November 1833
 
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Wien den 20 November 1833

Diesmal mein edelster liebster Freund habe ich dich mit gleicher Münze zahlen das ist deinen Brief eben so lang unbeantwortet lassen wollen als du dies insgemein mit meinen thust, aber ich sehe ich bin doch nicht dazu gekommen indem der Zwischenraum von diesem Briefe und deinem letzten doch noch immer kleiner als von diesem zum letzten meinigen.

Da du weder im Sommer nach Wien noch im Herbste nach Gratz gekommen, so nähre ich wohl wenig Hofnung dich im Winter hier zu sehen, und muss mich daher um so mehr schriftlich in dein Andenken zurückrufen. Wenn du dies

 
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bei mir bedürftest wurden mich ganz frisch an dich der Musenalmanach und deine Cousinen erinnert haben: I[durchgestrichen: ?] jenem las ich erst vor wenigen Tagen deine herrlichen Seebilder, und diese sah ich vor dreyen bei Graf Ritrofsky [?] wo sie nach dem Essen mit dem Papa den ich aber nicht gesprochen zu Besuch kamen; Wenn du nicht anderer Freunde und meinetwillen nach Wien komst sollst du schon blos herausfahren um den Zedlitzschen Tod des Tasso mit anzusehen den er mir zwar nicht wie der jungen Pereira vorgelesen, von dem ich aber allgemein sehr viel Gutes höre, auch hat ihm die Censur gar nichts Wesentliches gestrichen und ich glaube dass derselbe in jedem Fall mehr Glück machen wird als sein Titurel. Sonderbar daß Raupach und Zimmerma_n zugleich denseben Stoff behandelt haben.

 
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Willst du aber auch nicht wegen Tasso’s Tod die Post nehmen oder deine Pferde angeschirren lassen so mußt du es einzig <und> allein Robert des Teufels willen dessen ich nicht satt werden kann so oft ich auch schon hineingegangen. Die Chöre sind den der Daimonen abgerechnet himlisch, besonders der letzte, jener aber ein besseres Gemalde daimonischer Unruhe und Aufregung als Milton und Klopstock gegeben. Ich kenne Nichts so Grandioses von Opern als diese, und freue mich in voraus wie du sie geniessen wirst; Nach mir glaube ich [durchgestrichen: ?] und deinen Cousinen hat Niemand so sehr bedauert daß du diesen Sommer nicht Wort gehalten als die Henri Segmüller [?], die mir so oft sagte daß ich dich versprochner massen [?] doch ganz gewiß nach Vöslau bringen müsse.

 
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[durchgestrichen: No] In einem Monat geht sie nach Paris um dort den Winter zuzubringen welcher was Bälle betrift sowohl in der grossen als mittleren Gesellschaft flau seyn wird wenn nicht der Deutsche Congress tanzt wie jener von 1814, da die Zeit und Dauer derselben so ziemlich mit dem Fasching zusammenfallen dürfte. Quid agis dulcissime rerum?
Laß mich doch balder von dir hören als das letztemal; noch in diesem Jahre da du mir doch den Neujahrswunsch erwiedern wirst mit dem ich [durchgestrichen: dich] dir hiemit zum nächsten merkurialischen [?] [ergänzt: Jahre] (es begint an einem Mitwoch) tausend Glück ansegne als dein treuer Freund

Hammer

 
     
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