Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 26. Juni 1833
 
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Wien den 26 Junius

Ich benütze die Abeise eines Bekannten nach Triest um ihm diesen [durchgestrichen: B] mit einer Beilage bentwerten Brief bis Laibach mitzugeben, wo er denselben auf die Post [durchgestrichen: geben] oder deinem Bestellten geben soll, liebster Freund, we_n er denselben erfrägt. Dieser Gesang war fur die Vesta des Jahres 1835 besti_mt, da aber Zedlitz [ergänzt: mir] erklarte dass er schon zu viel Verse habe (doch nicht von den deinigen die er mit Ungeduld erwartete als ich ihn das letztemal sprach) so geb ichs Wallishausern ohne Honorar versteht sich zu drucken.

 
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Nun zur Beantwort<ung> deines lieben unlieben Briefs; lieb wie Alles was von dir ko_mt, unlieb weil er die Hofn<ung> dich heuer zu umarmen vernichtet; nach Gratz kann ich nicht komen ohne Urlaub, den ich heuer um so weniger begehren kann als ich denselben voriges Jahr erhalten, und als heuer kein Naturforscherverein statt hat, wo ich den Fürsten auf der Universitat stat in seinem Cabinette darum anreden könnte. Eine echappée auf 3-4 Tage unmittelbar von hier nach Hainfeld (ohne Urlaub) mit dir wäre möglich gewesen, so aber muss sich unser Wiedersehen vertagen.

 
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Braunthal hat unsern Freund Zedlitz anonym angegriffen (ich weiss nicht wo) Dieser hat ihm im Cometen geantwortet mit seinem Namen <und> ihm vorgeworfen dass er wieder katholisch geworden, dass er bei der Polizei sey. Hierauf hat Braunthal Bedes laeugnend an Zedlitz geschrieben [durchgestrichen: d] und dieser ihm einen Brief geantwortet den jener nicht ans Fenster stecken wird; Brau<nthal> ist darin verdientermassen behaendelt und ihm mit dem Drucke dieses Briefs gedroht wenn ihm je wider der [unleserlich] komen sollte [durchgestrichen: sich] mit oder ohne Namen Zedlitzen anzugreifen.

 
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Dass du den Pfaffen von Calen<berg> zur Censur gegeben thut mir leid weil du dir dadurch die Hände zum Drucke desselben im Auslande gebunden hast. Mein Bruder der Major komt nicht und so steht dir mein Quartier bis halben October wo ich wieder von Dobling hineinziehe zur freien Disposition, wenn du anders ko_men magst. Hore den Vorschlg, ko_m nach der Landwirthschaftsitz<ung> nach Wien, und geh dann mit mir von hier gerad nach Hainfeld wo wir uns dan trennen, du deinen Weg nach Krain nähmest und ich nach zweimal 24 Stunden nach Wien zurückkehren würde. Ich hoffe du lasst diesen Brief nicht so lange unbeantwortet als den letzten. Deiner Schwester der Grafin Sophie verehr ich das Anagra_m auf Sophie

von deinem treuen Frd Joseph.

 
     
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