Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 11. März 1833
 
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Wien den 11 März 1833

Du musst lange unterwegs gewesen seyn liebster Freund weil ich noch kein Wort von deiner Ankunft weiß, wiewohl du mir in deinen Zeilen aus Gratz [durchgestrichen: sogleich] alsbald du angekommen sein würdest zu schreiben versprochen hast. Diese deine zwey Zeilen haben mich wirklich fröhlich gemacht; küssen muß ich dich für den Ausbund des richtigsten Ausdrucks der im Wort öed liegt; das hat mir [durchgestrichen: ?] so [durchgestrichen: ?] wohl gefallen, dass ich den schönen Ausdruck als Plagiat mir angeeignet und in meinem nächsten Briefe mir selbst auf die Zunge gelegt [ergänzt: und] die Schreiberinn als oede und sproede hart [?] durchgelassen [?].

 
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Dafür ist aber auch aus Ihenhausen ein Brief von einer einzigen grimigen Octavseite mit La Prude unterzeichnet erfolgt, so grimig sag ich dir, dass mir alle Lust denselben zu beantworten vergangen, so dass der Briefwechsel dahin meinerseits für itzt eingestellt ist; die [unleserlich] Christiane scheint an einer verdriesslichen Schwangerschaft zu laboriren. Soviel über den Gegenstand unserer letzten Zeilen, nun zum nächsten Anlass der gegenwärtigen. Gestern erhielt ich einen Brief meiner Freundin Purgstall, welcher vom Lobpreis der beiden [unleserlich] in [unleserlich] überfliesst; [durchgestrichen: und] dieses Lob ist doch augenscheinlich in der Absicht daß es dir mitgetheilt werde geschrieben, und ich sende es dir daher im Originale das du behalten magst um es besser deinem Gedächtniß einzuprägen. Diesen Brief erhielt ich gestern Morgens, Abends beim F. Colloredo vetraut mir dein Vetter der Hofrath wie sehr er dich verheirathet, wie

 
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sehr er wünsche daß der leichte Eindruck den seine jungere Tochter auf dich während deines Hierseyns gemacht zu haben scheine dich ihm als seinen Schwiegersohn zuführe; ich hoffe daß dieses Intereße dich nach Wien [durchgestrichen: ?] zurückführen und sich consolidiren wird. Du siehst wie man sich um deine Hand reisst, wenn du sie aber aufs Herz legst, meine ich daß du i_mer noch [ergänzt: durchgestrichen: ?] die Mandel[durchgestrichen: ?] darin finden, und also von anderen Vorschlägen Nichts hören wollen wirst. Scherz beiseite, wenn diese Mandel nur sonst eine süsse und keine bittere ist, so würde ich dir der Mitgift willen vor den beiden obigen zur selben rathen, wäre es auch nur aus der mir angebornen Vorliebe zum Mandelgebäck und [ergänzt: zur] Mandelmilch; kämst du [durchgestrichen: aber] nach Wien um deine Cousine zu heyrathen so fiele natürlich das schöne Reiseprojekt nach Hainfeld in den [unleserlich], desto sicherer aber wäre dich hier, diesen So_mer zu umarmen dein treuer Freund

Ha_mer

 
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