Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 8. April 1832
 
  Seite 1 Zum Scan
 

Wien den 8 April 1832

Durch die Post liebster Freund wollte ich dir nicht schreiben seitdem du meinen letzten Brief unbeantwortet gelassen, und mir auch durch Fellnern nicht einmal einen Gruss gesendet hast. Dieser sagte mir du seist krank in Gratz, und eben hör’ ich daß er es selber ist. Wenn das erste wahr so thut es mir mehr leid als we_n politische Ursachen dich hieher zu kommen abgehalten hätten. Von den Spatziergängen, die man dir so lange zugeschrieben, ist es nun ganz still.

 
  Seite 2 Zum Scan
 

Andere haben die Ursache deiner Nicht hieherkunft deinem Cour machen zugeschrieben, indem du so gut als verlobt seyst, nur habe ich nicht erfahren können mit wem, und wa_n die Heirath. Wenn diese bald, so ist ja alle Hofnung dich in Wien so bald wieder zu sehen dahin; Salm’s Abreise erfuhr ich zu spat um dir durch ihn schreiben zu können, wllt du mir von der Brust weg schreiben so thu es durch Reiseck [?] wie ich dermalen, und früher schon

 
  Seite 3 Zum Scan
 

gethan hätte wenn [gestrichen: ich] [ergänzt: mir] die Gelegenheit nicht abgegangen wäre.

Ob ich heuer nach der Steiermark komme ist ungewiß, besonders wenn die Naturforscher kommen, welch dann den September wo ich am leichtesten weg konnte ausfüllen würden. Laß mich doch ein Wort von dir wissen, dein langes Schweigen ängstigt mich, und hast du keine Gelegenheit durch Reiseck [?] zu schreiben, so laß mir wenigstens durch meinen Bruder ein Paar Worte sagen eher du nach Krain zurückgehest.

 
  Seite 4 Zum Scan
 

Du siehst doch hoffe ich den Erzherzog, welcher auf Ostern wie ich hore wieder hieher kommen soll, da könntest du mir sicher schreiben. Sag mir was du dichtest oder sonst machst; ich habe wie du vielleicht aus den Zeitungen gesehen meine persische Ubersetz<ung> des M. Aurel zu Tage gefordert und davon [durchgestrichen: drey] [ergänzt: zwey] Kaisern [durchgestrichen: von E] <und> zwey Konigen ein Exempar gegben namlich dem unsrigen, dem türkischen, dem Schah von [unleserlich] < und> Louis Philippe; Nun liebster Freund lebe wohl und lass mich bald wißen warum du unbeantwortet gelassen den letzten Brief deines treuen Frds

Ha_mer

 
     
  Zu den Briefen von Hammer-Purgstall Zurück zu Anastasius Grün Zurück zu den Projekten