Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Wien, am 19. Dezember 1831
 
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Wien den 19 December 183i

Ich würde mirs zum schweren Vorwurf machen wenn ich dich geliebter Freund wiedersehen musste mit der Schuld ausgebliebener Antwort auf dem Herzen. Deshalb soll dir ungeachtet [durchgestrichen: de] der in deinem Brief v. 28. [unleserlich] M. gegebenen Hofnung des baldigen Wiedersehns im neuen Jahre dir dieser Brief doch noch meine besten Wünsche zu demselben bringen. Ganz unglaublich ists daß du durch deinen Freund Fellner, oder durch deinen Vetter nicht über das [ergänzt: wirklich] Leben des G. Auersperg unterrichtet bist und im <Brief> [?] fragen kannst ob derselbe an der Cholera gestorben; Komm also nur selbst

 
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dich hierüber und über andere Dinge die dich interessiren können zu unterrichten. Du wirst vielleicht durch deine Gegenwart die allgemeine Stimme welche dich [durchgestrichen: ?] noch imer fur den Verfasser der Spatziergange angiebt, zu Lügen strafen; Noch vorige Woche versicherte mich ein glaubwürdiger Mann einen amtlichen Bericht gelesen zu haben, in welchem die Namen derer genannt sind denen du einzelne Stücke in ich weiß nicht welchem Kaffeehause und in dem Krapfenwäldchen [?] davon vorgelesen. Dem Zedlitz habe ich deinen Gruß entrichtet, er freut sich dich wieder zu sehen, dem Hormayr aber schreibe ich nicht; er hat sich in der letzten Zeit so elend beno_men, daß vielleicht auch in Bayern seines

 
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Bleibens bald ein Ende seyn dürfte. Seiner Frau hat er allerorts so heftig ins Grab nachgeflucht daß ihm der Konig durch Gasser entbieten ließ seiner Schmahwuth auf eine Todte Schranken zu setzen; mehr desgleichen erzähl ich dir mündlich. Du wirst mich in meiner neuen Wohnung (im ersten Stock des Heniksteinschen Hauses in der Kärntnerstrasse) endlich in Ordnung finden. Meine Geschichte ist mit dem VIII Bande des so eben erschienenen Bandes, der neunte wird nur Register enthalten; Wie kannst du mir im Alter so Vorgerücktem neue Pläne ersinnen wenn du jugendlicher Hampe deine Zeit verschlafen willst.

 
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Als Denkmal meines Fleisses [?] werden die neun dickbeleibten Bande der osmanischen Geschichte bei der Nachwelt zeigen, für dieselbe ists genug, und für die Mitwelt mehr als zuviel; [durchgestrichen: ?] was ich noch als einen Anhang der osm. Geschichte nachsenden möchte ist eine Geschichte der türk<ischen> Poesie [ergänzt:?] worüber [unleserlich] Saeulen des guten Geschmackes die Hände zusammenschlagen und Zethergeschrey erheben werdet; ich betrachte dieselbe als eine zur Vervollständigung der Historie der Osmanen nothwendige Beigabe; daran zu denken ist in der schönen Jahreszeit der Augenblick nicht im Winter wo wie du weißt nur fur die Jahrbucher geschäftig ist dein dir mit Ungeduld entgegen harrender Freund

Ha_mer

 
     
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