Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Dobling, am 1. September 1831
 
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Dobling 1 September 183i

Deinen Brief vom 19 Julius liebster Anastasius mußte ich wohl ganz unbeantwortet lassen unter der gegenwärtigen Nachbarschaft der Cholera wenn ich damit bis auf den Augenblick eines Stelldich eins in Steyermark zuwarten wollte, denn ich halte es nicht wohl fur möglich solange die Gefahr in der Nahe mich von Weib und Kind auch nur fur acht Tage zu entfernen so gerne ich auch meine noch immer gichtbrüchige Freundin Grafin Purgstall besuchen möchte. Ich [durchgestrichen: hoffe dich] habe also [durchgestrichen: ?] keine Hofnung dich eher als im November zu Wien zu umarmen.

 
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Wenn du aber einen kleinen Abstecher machen könntest [durchgestrichen: um] auf dem Wege nach Gratz. ([durchgestrichen: I] von Radkersburg ist Hainfeld nur fünf Stunden entfernt). So würdest du durch deine Erscheinung gewiß ein gutes Werk thun, denn daß die Grafin deine Bekantschaf sehnlich wunschet habe ich dir schon gesagt und geschrieben. Ich sage dich also wenigstens mit vielleicht an; wäre bis Anfang November keine Cholera mehr zu fürchten, wer weiß vielleicht käme ich da_n selbst auf einige Tage herein, [durchgestrichen: die] in diesem Falle wurde ich dir aber wenigstens vierzehn Tage früher davon schreiben; Von deinen Bewegungen [unleserlich] mir hoff ich Fellner Nachricht geben kann.

 
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Nicht bald hat hier ein Buch solchen Larm gemacht als die Spatziergange eines Wienerpoeten die in Hamburg herausgekomen; von mehreren Seiten habe ich davon sprechen gehört, und von Alllen gehort du seyst der Verfasser, ich kann es nicht glauben liebster Anastasius weil ich mir von deiner Freundschaft verhoffen durfte daß du mich ins Vertrauen gesetzt haben wurdest wenn, die Sache sich richtig so verhielte wie alle Leser behaupten die dich durchaus darin erkennen wollen; ich bleibe stets [?] dabei daß du es nicht seyn könnest weil du mir Nichts davon gesagt und gezeigt, aber ich bin höchst neugierig das Werk zu sehen.

 
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Heut vor einem Monat bin ich Gottlob endlich ein Freischwimmer geworden und habe zuglich den Polarstern erhalten woruber [durchgestrichen: ?] Braunenthal in der Theaterey die schmeichelhaftesten Verse an mich gerichtet hat, die ich je erhalten. Da der heutige schone Aegidius Tag einen schönen Herbst verspricht hoffe ich noch zwey Monate in Dobling bleiben zu können, was mir um so mehr zusagt als ich in alle Graeuel des Einziehens mit meiner Bibliothek verfalle. Von Michaelis an werde ich im ersten Stocke meines Schwigervaters wohnen was höcht angenehm fur meine Frau, wiewohl ich drey hundert Gulden mehr Zins bezahlen muß als bisher aber auch eine weit geraeumigere und bequemere Wohnung erhalte. Meine Frau hoft dich dort diesen Winter zu sehen; [durchgestrichen: ?]

Es umarmt dich dein Freund Athanasius

 
     
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