Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Dobling, am 4. Juli 1831
 
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Dobling den 4 Julius 183i

Liebster Anastasius ich kann deinen Brief unmöglich länger unbeantwortet lassen, weil ich dir doch selbst sagen muss wie mit Wolfgang Menzel, der deine Abwesenheit gewiss eben so lebhaft bedauert als du die deinige im Augenblick seines Hierseyns, uns Herz und Mund von deinem Lobe überfloss. Es ist recht schlecht von Fellner, dass er seit dem er zu Wien, sich noch mit keinem Auge bei mir blicken lassen und mir also die Gelegenheit entzogen von dir mit ihm als deinem treuen Freunde mehr und herzlicher zu sprechen als mit anderen, die dich nur aus deinen Werken kennen und dich also nur als Dichter bewundern und lieben und nicht auch als Menschen.

 
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Denkst du nicht im September zur Versamlung der Naturforscher schon in Wien zu seyn? wenn so, und wenn es dir mit einem Stell dich ein in der Steyermark Ernst würde ich dir vorschlagen uns Ende Augusts oder spatestens Anfans Septembers zu Hainfeld bei der Grafin Purgstall zusammen zu finden, die wie du weißt dich schon lange kennen zu lernen wünscht. Fällt deine Antwort bejahend aus so würde ich dann Woche und Tag zu bestimmen suchen. Sie war sehr glücklich daß der Erzherzog bei ihr seine Landwirthschaftssitzung hielt; ich hoffe du bist mit seinem Empfange bei dir in deiner Nachbarschaft zufrieden gewesen. Dem Hortenburger schreibe ich gar nicht mehr, er hat mir noch jungst mit [unleserlich] einen alle Rucksichten verletzenden

 
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Brief durch die Post geschickt voll Drohungen gegen den Fürsten und gegen Genz der ihn einen Hund geheissen haben soll; einen ganz gleichen schrieb er an Deinhardstein dieser pourparlirte hierüber mit Pilat und schrieb begutigend wieder; und erhielt alsogleich Antwort worin Cotta als der schlechteste Kerl dargestellt wird; Alles reine oder vielmehr unreine Leidenschaftlichkeit – ich aber habe den Brief unbeantwortet gelassen. Diesen Winter, (: ich glaube ich habe dirs auch erzahlt), sprach ich ofter bei der Gräfi_n Kolowrat von deinem Letzten Ritter, und fragte besonders die geistreiche Nichte ob sie denn denselben immer nicht gelesen; da die Frage immer beneinend beantwortet ward kaufte ich ein Exemplar liess es in sehr schönen blauen [durchgestrichen: Band] Maroquin mit Goldschnitt binden, und verehrte ihr es wenige Tage vor ihrer Abreise und ihrem Namenstag (Joni) zum selben.

 
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deinen Vetter den Hofrath habe ich seit dem Winter nicht gesehen, auch hat er mir von deinen Grüssen Nichts wissen lassen; Zedlitz ist noch immer auf seinem Gute [?], ohne Fieber aber noch nicht gesund; Von Hermansthal’s Gedichten hatte ich ein Paar Tage vor Empfang deines Briefs mit [unleserlich] welcher ihm alle Gerechtigkeit wiederfahren liess. Meine Frau dankt dir schönstens für deine Erinnerung wie [unleserlich] von allen [unleserlich] meinen ältesten Sohn in die Ingenieuracademie zu geben, wozu ich mich wohl auch zuletzt entschließen werde, wiewohl nicht sehr gern. Wo ist de_n dein Harem hingeflogen! du sagst blos daß Mutter und Schwestern dich verlassen und sagst Nichts ob du der Gräfinn Sofi die Huldigung entrichtet hast deines treuen Freunds

Anastasius.

 
     
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