Siegel  
  Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall an Anastasius Grün
Glocknitz, am 23. Mai 1831
 
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Glocknitz, Pfingstmontag (183i)

Schon geraume Zeit liebster Anastasius habe ich auf die Erfüllung deines Versprechens geharrt, aber vergebens; ich hatte gehofft dein Freund Fellner würde mir einen Brief von dir mitbringen, aber wiewohl [durchgestrichen: er bei] nun schon bald vierzehn Tage in Wien habe ich ihn doch mit keinem Auge gesehn. Ich verliess Wien vorgestern um die Pfingstfeiertage zwischen Stixenstein im Kreise der liebenswurdigen Familie des Grafen Hoyos und Glocknitz [durchgestrichen: ?] am Fusse des Schneebergs und des Semerings an der Vorhuth meines Vaterlandes zuzubringen, und we_n möglich den [unleserlich] zu besteigen. Das

 
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Wetter hat meinen Plan nicht begunstigt, es regnete gestern fast den ganzen Tag in Stixenstein, und es regnet heut noch ärger in Glocknitz; da ich deiner so oft und viel mit Liebe gedenke da wirst du es wohl um so natürlicher finden daß ich immitten dieser grossen und schönen Naturszenen, die nur du in voller Frische würdig besingen könntest, deiner noch öfter und sehnsuchtsvoller gedacht. Ich setze mich also nieder um hier während draussen die Nebel von Berg zu Berg ziehen an eine alte[durchgestrichen: r] Freundin und einen jungen Freund der mir aber wie ein alter lieb und werth geworden zu schreiben, an meine Freundin Purgstall nämlich und an dich.

 
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Seit drey Wochen bin ich in Dobling wo wir bisher viel gefroren, und bis morgen Abends hoffe ich so Gott will dort wieder zurück zu seyn; kö_mt Fellner zu mir werde ich ihm fur dich ein Blatt der Wienerzeitschrift geben worin ich vom Namen Soffi am Vorabend des [unleserlich]tages Gelegenheit hergeno_men ein[durchgestrichen: en] in meiner Übersetzung des [unleserlich] nicht ganz recht übersetztes Distichon besser zu geben; ich bitte dich das Blatt deiner Schwester Sophia, die weil sie dir die liebste auch mir die liebste von mir als deinem Freunde ihrem unbekannten Verehrer zu verehren, und bald mit einigen Zeilen zu gedenken deines

treuen Freundes
Athanasius.

 
     
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