Ignaz Vinzenz Franz Castelli

 
 

Biographie von Ignaz Vinzenz Franz Castelli (1781 bis 1862)

 
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Pseudonyme: Bruder Fatalis, Kosmas, Kosmos, Rosenfeld, C. A. Stille.
geb. 6. März 1781 in Wien, gest. 5. Februar 1862 in Wien
Lyriker, Lustspieldichter, Unterhaltungsschriftsteller.

Castelli wurde als erstes Kind des Ignaz Castelli (gest. 1816 im Alter von 91 oder 94 Jahren), Rechnungsrat bei der Stiftsbuchhalterei, und der Dominika, geborene Mayer (gest. 1798 in ihrem 46. Lebensjahr) geboren. Sein Vater war bis zur Auflösung des Jesuitenordens (1763) Jesuitenlaienbruder gewesen und hatte erst im Alter von knapp 60 Jahren eine viel jüngere Frau geheiratet. Die Jahre seiner Kindheit verbrachte Castelli hauptsächlich bei seiner Großmutter und seinen Tanten, den unverheirateten Schwestern seiner Mutter.

Das nach der Schulzeit begonnene Studium der Rechtswissenschaften schloss Castelli nicht ab. Die Angaben über seine berufliche Laufbahn variieren je nach Nachschlagewerk. Um 1801 dürfte er in die niederösterreichische ständische Buchhaltung eingetreten sein und 1843 ging er, wie er in einem Brief vom 16. Mai 1843 an Anastasius Grün schreibt, "nach 43 Dienstjahren" in den "Jubilationsstand".

Castelli, der ausgezeichnet Französisch sprach, die Franzosen während der napoleonischen Kriege jedoch aus politischen Gründen hasste, schrieb 1809 ein "Kriegslied für die vaterländische Armee", das bei Erzherzog Karl (1771-1847) solchen Gefallen fand, dass er es in Tausenden Exemplaren verbreiten ließ. In der Folge wurde ihm von der französischen Regierung öffentlich die Acht erklärt.

Sein Amt bei der landesständischen Buchhaltung ließ ihm genug Zeit für literarische Tätigkeit. Am 14. Oktober 1802 wurde am Theater an der Wien erstmals ein Stück von ihm aufgeführt: Seine Bearbeitung des Melodrams "Coelina ou l’Enfant du mystère" (1800) von René Charles Guilbert de Pixérécourt (1773-1844) unter dem Titel "Die Mühle am Arpennerfelsen" wurde beifällig aufgenommen, der Name des Bearbeiters wurde jedoch nicht veröffentlicht. In den darauffolgenden Jahren verfasste Castelli rund 200 dramatische Werke: Opern, Singspiele, Schauspiele und Lustspiele, von denen, wie er in seinen Memoiren selbst schreibt, nur zehn eigene Schöpfungen, der Rest jedoch Bearbeitungen sind. Sein erfolgreiches Singspiel "Die Schweizer-Familie" (1810) bescherte ihm 1811-1814 eine Anstellung als Hoftheaterdichter.
Castellis erste Gedichtsammlung erschienen 1805 als "Poetische Versuche" bei Wallishausser in Wien unter dem Pseudonym "Rosenfeld". Bekannter sind seine "Flinserln", Gedichte in niederösterreichischer Mundart. Der Dichter betätigte sich auch als Herausgeber mehrerer langer Reihen von "Taschenbüchern", wie z.B. "Dramatisches Sträußchen" (1809-1835) und "Huldigung der Frauen" (1823-1848). Seine Lieder, Balladen, Märchen, Legenden, Fabeln, Anekdoten, Sprichwörter, Genrebilder, Trinksprüche u. Rätsel fanden Eingang in zeitgenössische Zeitschriften und Almanache.

Dem geselligen Leben zugeneigt, war Castelli einer der Begründer der literarischen Gesellschaft "Ludlamshöhle" (1819-1826), wo er mit zahlreichen Schriftstellern und Künstlern seiner Zeit verkehrte und den Namen "Cif Charon, der Höhlenzote" führte. Trotz seiner aus heutiger Sicht nicht so großen literarischen Bedeutung war er zu seinen Lebzeiten bekannter als viele seiner begabteren Zeitgenossen.

Durch Erbschaften und seine literarische Tätigkeit zu Geld gekommen, erwarb Castelli ein Landgut, den Berghof zu Lilienfeld in Niederösterreich, wo er jeweils die Sommermonate sowie auch das Revolutionsjahr 1848 verbrachte und sich intensiv mit Gartenbau und Blumenzucht beschäftigte. Am 10. März 1846 gründete Castelli den "Niederösterreichischen Vereins gegen Misshandlung der Tiere in Wien", der als "Wiener Tierschutzverein" noch heute existiert.

Castelli war ein passionierter Sammler. Nach seinem Tod hinterließ er 12.000 Theaterstücke in 3.000 Bänden, eine Porträtsammlung bekannter Schauspieler und Theaterdichter, eine Sammlung von Theaterzetteln ab dem Jahr 1600 sowie eine Sammlung von 1800 Dosen, von denen einige von namhaften Künstlern gestaltet waren.

 
     
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