Brief von Ignaz Franz Castelli an Anastasius Grün
Baden, am 8. Juni 1855
 
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Baden 8/6 55

Lieber Bruder!

Ich bin wirklich schon auf dem Punkt glauben zu müssen daß ich die nicht so viel werth bin, daß Du mir zu Liebe einige Zeilen niederschreibst, welche du schon gedichtet hast. Die Zeit rückt heran, wo ich Baden verlasse und nach München, von dort aber nach Innsbruck gehe. Dort darf ich mich nun nicht sehen lassen wenn ich den Beitrag von dir nicht mitbringe. Eben gestern erhielt ich einen Brief, woraus ich dir die Stelle welche Dich betrifft beischließe

[An dieser Stelle ist ein Stück aus einem anderen Brief aufgeklebt.]
NB. [?]
freue mich sehr auf Anast. Grü_ns Albumblatt, ist bis jetzt noch nicht angeko_men
[Ende des aufgeklebten Teils.]

Noch einmahlzum letzten Mahle – bitte ich dich also mir das zehn Mahl Versprochene endlich einmahl zu schicken.

 
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Von der Wirkung der Bäder, deren ich bereits i2 genommen habe, fühle ich noch nichts, und Alles an und in mir stirbt nach und nach ab, und nur meine Freundschaft für dich lebt noch, könnte aber durch Dein "nicht Wort halten" wohl auch einen kleinen Stoß erhalten.

Wenn Du senden willst, so sende nun nach Wien, es wird mir von dort Alles hieher zugeschickt

Mit meinen besten Grüßen an Deine Frau

Dein
IFCastelli

 
     
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