Brief von Ignaz Franz Castelli an Anastasius Grün
Lilienfeld, am 21. Mai 1845
 
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[Titelvignette "Berghof zu Lilienfeld."] am 2i Mai 845

Nicht mehr ganz lieber Freund!

Wo soll ich Worte genug finden um Sie recht derb auszuschelten? Hält man so sein Wort? Hatt’ ich nicht recht als ich wünschte das mir bestimmte Gedicht bei Ihrer Anwesenheit in Wien gleich selbst abzuschreiben? Nein, was zu arg ist, ist zu arg! Ich gebe es Ihnen nun auf Ihr Gewissen daß Sie mir das Gedicht alsogleich mit umgehender Post senden, da ich sonst für dieses Jahr keinen Gebrauch davon machen könnte, was mir sehr unlieb wäre.

 
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Indessen war ich für Sie nach meinen besten Kräften bedacht. Ich hoffe, Sie werden das Kistel mit Pflanzen, von der Gartenbaugesellschaft, welches ich Ihnen durch Complojer zusandte, richtig und gut erhalten haben

Neues gibt es bei uns wenig. I_mer erquickliches und kaltes Wetter. Gutzkow war in Wien, schien sich aber nicht sehr gefallen zu haben. Bauernfeld ist mit Sichrowsky nach Frankreich und England abgereist. Unsere Censurschrift hat bis jetzt noch keine Folge gehabt, aber Niemand zweifelt

 
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daß Gutes daraus hervorgehen werde.

Empfehlen Sie mich Ihrer Frau und lösen Sie Ihr Wort

Ihrem Freunde
IFCastelli

 
     
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