Brief von Ignaz Franz Castelli an Anastasius Grün
Lilienfeld, am 28. Mai 1844
 
  Seite 1
 

Lilienfeld am 28 Mai 44

Verehrter Freund!

Ein gewisser Herr Graf von Auersberg hat mir versprochen, mir bis Anfangs Mai ganz zuverläßig ein Gedicht von Anastasius Grün für mein Taschenbuch zu übersenden. Nun ist aber der Mai schon zu Ende, und ich harre mit der größten Sehnsucht darauf. Seyn Sie so gütig den guten Mann ein wenig auf sein Versprechen zu erinnern und sagen Sie ihm ich ließe ihn bitten mir das Gedicht alsogleich und zwar hieher nach Lilienfeld zu übersenden. Wäre er aber dennoch saumselig, so wenden Sie sich an seine Frau, die ihn schon dazu zu bewegen wissen wird.

Ich bin wieder hier in meinen Bergen bei meinen Blumen und genieße so recht

 
  Seite 2
 

eigentlich das dolce far niente. O werther Freund könnten Sie sich einige Tage abnöthigen und mich mit Ihrer lieben Frau in meiner Herrlichkeit besuchen, Sie würden gewiß auch eine Freude daran haben. Ich hoffe in diesem Jahre auch auf Grillparzer’s Besuch und zwar auf längere Dauer.

Ich hoffe Sie werden die Zusendungen von Heller durch Comployer richtig erhalten haben

Noch einmahl senden Sie mir recht bald Ihren Beitrag, empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlin und denken Sie manchmahl

Ihres alten Freundes
IFCastelli

 
     
  Zu den Briefen von Ignaz Franz Castelli Zurück zu Anastasius Grün Zurück zu den Projekten