Brief von Ignaz Franz Castelli an Anastasius Grün
Wien, am 15. Februar 1844
 
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Wien am 15 Febr 844

Verehrter Freund!

Entschuldigen Sie daß ich Ihnen mein Taschenbuch erst so spät sende; aber gut Ding kommt immer zu rechter Zeit und gut muß es seyn da Sie und andere Notabilitäten [ergänzt: mich] mit Beiträgen beehrten. Ich kann Ihnen sagen daß Ihre "Zwibel" Aufsehen erregt hat. Viele zwar verstanden sie nicht, aber die sie verstanden, die erfreute besonders das kindlich Mährchenhafte darin, vor Allen aber hat sie unserem Lenau ganz außerordentlich gefallen.

Ich bitte Sie inständigst mir für den nächstfolgenden Jahrgang wieder ein Blümlein aus Ihren reichen Gärten zuko_men zu lassen. – Ausrede lasse ich keine gelten; denn ich sah wohl aus dem Hefte was ich in Händen hatte daß Sie noch mehr Ungedrucktes besitzen. Auch die Censur wird kein Hinderniß seyn; denn Sie haben wohl aus Witthauers Zeitschrift gesehen, daß sie jetzt doch anfängt für gewisse Geistesblüthen und gewisse Namen Respekt zu bekommen. Also bitte schön! aber bald, bald, recht bald, sehr bald, am bäldesten.

 
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Ihrer Frau Gemahlin bitte ich meine achtungsvollen Grüße darzubringen, und sie zu erinnern daß ich auch von ihr, ihrem gütigen Versprechen gemäß etwas erwarte

Mit alter Achtung und Freundschaft

Ihr
Dr IFCastelli

 
     
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