Brief von Ignaz Franz Castelli an Anastasius Grün
Wien, am 27. Februar 1834
 
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von Wien
Seiner Hochgeboren
Dem Herrn Grafen Ale-
xander von Auersberg
 

 

zu  
über Cilly
in Steyermark.
  14.
Thurm am Hart
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Wien am 27 Februar 834

Mein, nicht mehr ganz so übertrieben werther Freund!

Ihr habt nicht Wort gehalten! Der Vogel ist ausgeflogen und hat keinen Gesang zurück gelassen, wie er wohl versprach. Mein lieber Freund, theuerster Graf und edelster Gutsherr! Das ist einmahl nicht schön von Euch, daß Ihr fortreistet, ohne mich auch nur mehr zu sehen. Es gibt nur ein einziges Mittel wieder gut zu machen, und dieß ist: daß Ihr Euch auf der Stelle niedersetzet, ein recht schönes Gedicht von Euch abschreibt, und es mir mit umgehender Post sendet. Ich bin überzeugt, Ihr werdet das thun, und somit will ich Übles mit Gutem vergelten und Euch doch ein paar Dummheiten für Euren Pfarrer schreiben:

Neulich schüttete ein Hund aus, und zwar 3 junge Hunde und 2 junge Katzen. Die Leute konnten dieses Spiel der Natur nicht genug bewundern; und man entschloß sich die Sache sogar vor das Forum der Naturforscher zu bringen. Ein Ungar, der dabei stand, sagte aber: Ey ist das gar nichts so großes und Verwunderliches, kenn’ ich auch eine Frau, die ist Hebamme und ihr Sohn ist Klampterer [?].

 
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Ein Fiacker trat neulich in eine Schenke, ging zum Ofen und hielt den Bauch daran, um sich aus zu wärmen. Da sagte die Wirthin, ein junges hübsches Weib zu ihm! Nun Herr Martin wärme der Herr sein Mistbeet recht gut aus. Ja, sagte der Fiacker lachend, ich thue es, damit darin ein recht guter großer Spargel wachst und der gehört dann für die Frau Catheli [?]. – (: Ist das nicht viel schöner, als das Spargelgedicht von Heine? :)

In der Hoffnung einer baldigen Antwort

Euer erzürnter, aber leicht wieder
gut zu machender
IFCastelli

 
     
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