Brief von Bartholomäus Carneri an Anastasius Grün
Wildhaus, am 10. Dezember 1867
 
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Wildhaus 10. Dez. 1867.

Geliebtester <und> verehrtester Freund!

Wie soll ich dir danken für die viele Liebe! Eben von der Bez. Vertretungs Sitzung, die von 10 bis 21/2 Uhr ununterbrochen dauerte, zurückgekehrt <und> auf was für Wegen, kaum mit einem leichtesten Schlitten überwindbar, (Gottlob habe ich neue starke Pferde) hin vom Fahren u.s.w. finde ich Deinen lieben, lieben Brief vom 9. als Ergänzung [durchgestrichen: zu] des Gratzerbriefes vom 6. Dieses.

Wäre ich aber noch zehnmal hiner, ich müßte Dir noch noch heute danken, weil mein Bote jetzt in aller Gottes Frühe fort muß.

Ich theile ganz Deinen Schmerz über alles was diesseits Decentralisation ist; denn nur da volle Triumph des Deutschthumshüter[?] kann mich für den

 
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Dualismus entschädigen. Und gerade das Unterrichtswesen! Geduld! Die Polen haben viel auf dem Gewissen.

In der Mosaischen Angelegenheit schreibe ich noch morgen an Prof. Schaller selbst, obwol ich den Fall aus reiner Quelle habe. Du hast ganz Recht, nur wenn kein Widerspruch erfolgen kann, ist ein derlei argumentum ad convinum niederschmetternd. Warte also einen neuen Brief von mir ab.

Unsere Adresse dürfte noch mit der heutigen Abendpost an dich abgegangen sein. Deren einstimmige Annahme hat einen besonderen Werth, weil sie zusammentrifft mit der Entpuppung unseren Fürstbischofs. Übersieh ja nicht das heutige Morgenblatt der Tagespost.

 
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Friedrich Brandstätter, Gutsbesitzer zu Rottwein[?], hat noch einen Nachtragsbogen zur Marburger Adresse, den er dir morgen oder übermorgen sendet. Er wollte ihn mir schicken; aber das kann einen Zeitverlust von 2 Tagen abgeben. Dreimal blieb mir die Post ganz aus, wir sind rein in Schnee vergraben, <und> da bath ich ihn, dir den Bogen direct zu senden.

Ich muß schließen; wie mir Schaller antwortet schreibt dir wieder
Dein
für’s Leben ergebener
B. Carneri
Alles Erdenklich von den Meinen.

 
     
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