Brief von Bartholomäus Carneri an Anastasius Grün
Wildhaus, am 1. November 1867
 
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Wildhaus 1. Nov. 1867.

Geliebtester und verehrtester Freund!

In höchster Eile: der Protest gegen die Ultramontane? Petition, von 15 Gemeinden unterschrieben ist bereits am 28. n. M. (45. Sitzung) durch Rechbauer dem Abg.Haus übergeben worden. Wie leicht wäre da dein Wunsch erfüllt worden! Bei denselben Gemeinden läßt sich die Geschichte nicht wiederholen. Ich hatte den Protest nur von dem Verständnis ausgehen lassen, <und> schon wirft man mir vor, ich habe „in illegaler <und> gefährlicher Weise „die Ausschüßlerbeschlüsse umgangen. Der Vorwurf ist dumm, aber ich möchte die Geschichte nicht wiederholen. Die Ausschüsse aber bringt man entweder nicht zusammen, oder macht am Ende Fiasko. Mit anderen Gemeinden stehe ich nicht in Verbindung, <und> dann unsere Geistlichen!

 
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Ich gestehe Dir übrigens offen, daß ich eine Adresse im gewöhnlichen Sinn unseren Bauern nie vorgesetzt hätte; sie haben keine Ahnung vom Concordat. Nur in Form dieses Protestes, ich lege ihn bei; konnte ihnen die Sache eingehen! Sie unterschrieben ihn – (Vorsteher und Räthe) mit Überzeugung.

Es bleibt nur mehr eine Petition oder Adresse der Bewohner von Marburg. Ich habe schon geschrieben.

Wenn ich Dr. Reiser dafür gewinne, so geht’s. Jedesfalls sei überzeugt, daß ich mein Möglichstes thun werde. Nächstens mehr.

Vergieb, daß ich dir für dein liebes Schreiben aus Thurn am Hart noch nicht gedankt. Von uns allen alles Erdenkliche <und> in unwandelbarer Liebe <und> Anhänglichkeit, Dein unleserlicher aber treuer
B. Carneri

 
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