Briefausschnitt  
  Brief von Bartholomäus von Carneri an Anastasius Grün
Gratz, am 6. Dezember 1865
 
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Gratz 6. Dez. 1865.

Geliebtester und verehrtester Freund!

"Heißen, beflügelten Dank" für Deine lieben, lieben Zeilen vom 5. Dieses und die kostbare Beigabe. Deine Adresse steht weit höher, als die Kaiserfelds: Sie ist ehrfurchtsvoller und dabei noch energischer. Möchte Dir der Himmel an Dir <und> den lieben Deinen vergelten, was Du für's Vaterland thust – in so überaus kritischer Lage thust! Was ist Laibach gegen Gratz! Wie oft dachte ich die Zeit über an Dich! Und wie sehr freue ich mich darauf, nach so langer Zeit Dich wieder sehen zu können! Mein Herz ist voll zum Zerspringen.

Die Sitzung vom 2. Dez. wird immer Eine meiner schönsten Erinnerungen bleiben.

 
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Mündlich werde ich Dir erzählen, wie ich gekommen bin. Zwar habe ich nichts gethan, als für die Adresse stimmen; aber ich habe beim Appell nicht gefehlt, <und> Kaiserfeld zugehört, der in seiner Schlußrede hinreißend war. Ich fände keine Worte, um zu sagen, wie er mich ergriffen hat.

Ich muß enden, und wiederhole Dir meinen wärmsten Dank mit einem herzlichen: Glückauf! Vielleicht komme ich morgen dazu, noch ein paar Zeilen beizufügen. Alles erdenkliche Liebe von uns allen, und mit der Bitte, mir immer so gut zu bleiben, in treuester Anhänglichkeit
Dein
dankbar ergebener
B. Carneri

 
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Den 7.

Soeben war ich bei Dir, um mich für die schleunige Zusendung Deiner freundlichen Zeilen bei Deiner liebenswürdigen Frau zu bedanken. Und so kannst Du auch durch mich erfahren, daß es Deinen Lieben – unberufen – sehr gut geht. Theodor, das Schulbuberl, ist frisch wie ein Hirscherl. Das "Sehr gut" ist leider, deine Frau betreffend, nicht ganz richtig; aber sie [durchgestrichen: sehet] sieht, Gottlob, prächtig aus.

Kaiserfeld ist entzückt von Deiner Adresse. Lebe recht wohl
Dein B. Carneri

 
     
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