Briefausschnitt  
  Brief von Bartholomäus von Carneri an Anastasius Grün
Wildhaus, am 2. November 1863
 
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Wildhaus 2. Nov. 863.

Geliebtester und verehrtester Freund!

Jetzt erst kommt der Separatabdruck! Ist er noch zu was? Der einzige Werth, den er vielleicht noch hat, ist ein sehr trauriger: er ist noch immer die einzige steirische Kundgebung. Die Gratzer Besprechung hat, fürchte ich, nur zu Recht, das Licht der Welt zu scheuen. Schon war ich auf dem Punkt, gegen meine Zusti_mung, die klar gegeben war, zu protestieren; doch vielleicht schläft die d.h. diese Geschichte ein, um in anderer Form zu erwachen. Das Herrenhaus hat einen edlen Vorsprung gewonnen.
 
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Es verdient ihn. Im Abgeordnetenhaus sollen die Industriellen, die den Zollverein – Österreichs Verjüngung – scheuen, bei der Inerfahrenheit den Ausschlag gegeben haben. Dennoch wird Österreich mit Gottes Hilfe noch lange Zeit vorherrschend Agriculturstaat bleiben. Mir ist schon alles recht, wenn nur die Reformacte nicht fällt. Frankfurt hat mir wieder neuen Athem gegeben.

Entschuldige meine Eile. Meinen Dank aus tiefster Seele wirst Du wol erhalten haben, womit ich, weiß Gott, nicht an eine Antwort denke. Du weißt nicht, wie gut Du mit mir bist. Mir kam nur plötzlich die Angst, ich könne von Dir als undankbar
 
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oder wenigstens als unartig erscheinen.

Ich habe eine kleine Verbindung mit Dr. Krinz angeknüpft. Ich muß etwas thun. Er nahm mich sehr lieb auf; dennoch, weil er mich gar nicht kennt, empfiehl mich ihm, wenn du mit ihm zusammenkommst. Sag' ihm, ich werde nicht lästig sein.

Sind die beiliegenden Exemplare zu nichts mehr – es giebt so viel Makulatur auf der Welt, wirf sie weg, – nur Ein Exemplar gieb gütigst mit meinen schönsten Empfehlungen den Grafen Joseph Attems.

Von uns allen alles erdenkliche Liebe und Schöne. Bleibe gesund <und> immer gut
Deinem treuergebenen
B. Carneri

 
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  An unsere Reichsräthe schicke ich die Bescherung pflichtschuldigst  
     
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