Eduard von Bauernfeld

 
 

Biographie von Eduard von Bauernfeld (1802 bis 1890)

 
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Pseudonyme: Feld, Rusticocamp(i)us.
geb. 13. Januar 1802 in Wien, gest. 9. August 1890 in Oberdöbling (heute 19. Wiener Gemeindebezirk)
Lyriker, Novellist, Lustspieldichter; Übersetzer.

Wer Eduard von Bauernfelds Eltern waren, lässt sich nicht mit Sicherheit klären. Die meisten Quellen bezeichnen den Dichter als unehelichen Sohn des damaligen Medizinstudenten und späteren Physikus des St. Marxer Bürgerspitals, Lorenz Cajetan Novag (1774-1849), und der Elisabeth Feichtinger (1770-1831), Witwe des Wiener Rechtsanwalts Joseph Feichtinger, einer geborenen Hofbauer (Hoffpaur) von Bauernfeld.
Es scheint, als habe Bauernfeld selbst kein Interesse daran gehabt, die Verhältnisse seiner Abstammung zu erhellen. In dem 1856, also noch zu seinen Lebzeiten erschienenen Beitrag in Constantin Wurzbachs "Lexikon des Kaisertums Österreich" heißt es, Bauernfeld sei "früh verwaist" und "in dürftigen Verhältnissen" aufgewachsen. Seine Autobiografie "Aus Alt- und Neu-Wien" (1873) setzt mit einer Beschreibung seiner Gymnasiallehrer ein, während die Namen der Eltern überhaupt nicht genannt werden. Im zweiten Kapitel erwähnt Bauernfeld kurz seinen "Pflegevater". Ebendiese Bezeichnung wählt er in zwei Briefen an Anastasius Grün (d.i. Anton Alexander von Auersperg (1806-1876)) vom 9. Februar und 2. März 1849, in denen er von seines Pflegevaters Krankheit und Tod berichtet; in einem Brief vom 11. Juni 1849 schreibt er schließlich, "Novag’s Ableben" habe er wohl schon in seinem letzten Brief mitgeteilt. Daraus geht hervor, dass Bauernfeld selbst Lorenz Novag nicht als seinen leiblichen Vater bezeichnete.

Nach der Matura am Wiener Schottengymnasium absolvierte Bauernfeld an der Wiener Universität 1818-1821 das Philosophicum, an das er 1821-1825 rechtswissenschaftliche Studien anschloss. Letztere betrieb er weniger aus Neigung denn aus Vernunft und auf Wunsch seiner Verwandten. Um sein bescheidenes Stipendium aufzubessern, gab er Unterrichtsstunden und beteiligte sich zusätzlich an der Übersetzung der "Wiener Shakespeare-Ausgabe" (Wien: Sollinger 1825-1827), was sein literarisches Schaffen nachhaltig beeinflusste.
1826 wurde er Konzeptspraktikant bei der Niederösterreichischen Statthalterei in Wien, 1827 erfolgte die Versetzung ins Kreisamt unter dem Wienerwald, 1830 erhielt er die Stellung eines Hofkammerbeamten, ab 1843 war er in der Lotteriedirektion tätig, zunächst als Konzipist, später, bis 1849, als Direktor.

Bauernfeld hatte früh Kontakt zu wichtigen Persönlichkeiten des Wiener Kulturlebens. Mit dem Maler Moritz von Schwind (1804-1871) seit Schulzeiten befreundet, wurde er von diesem in den Kreis um Franz Schubert (1797-1828) eingeführt. Joseph Schreyvogel (1768-1832), selbst Schriftsteller und Sekretär des Burgtheaters, förderte ihn, auch der damals bereits arrivierte Franz Grillparzer (1791-1872) nahm sich seiner an. Bauernfeld debütierte, wenig erfolgreich, am 5. September 1828 mit der Komödie "Der Brautwerber", am Burgtheater; am 31. Jänner 1831 gelang ihm der Durchbruch mit dem Lustspiel "Leichtsinn aus Liebe". In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er sich zum erfolgreichsten Dramatiker des Burgtheaters.
Bauernfeld gilt als Erfinder des Wiener Konversationslustspiels, wobei er den besten Darstellern seiner Lustspiele die Rollen auf den Leib schrieb, was sehr großen Anklang beim Publikum fand. Er griff vor allem zeitgenössische Themen auf, versuchte sich aber auch in anderen Genres. Das am 7. September 1835 am Burgtheater uraufgeführte Lustspiel "Bürgerlich und romantisch" gilt als sein größter Erfolg. Es folgten zahlreiche weitere Komödien, aber auch historische Dramen wie das im 30-jährigen Krieg spielende Stück "Ein deutscher Krieger" (1844), in dem er eine klar deutsch-nationale Botschaft vertrat.

In den 1840ern wandte sich Bauernfeld verstärkt politischen Themen zu. Gemeinsam mit Alexander Freiherrn von Bach (1813-1893), Anton Ritter von Schmerling (1805-1893), Anastasius Grün (1806-1876), Ludwig August von Frankl-Hochwart (1810-1894) und anderen verkehrte er in oppositionellen Kreisen. Dass der Dichter dadurch nicht in gröbere Schwierigkeiten geriet, verdankte er Franz Anton Graf Kolowrat-Liebsteinsky (1778-1861), einem Gegner Metternichs (1773-1859), der ihn protegierte.
Schon früh engagierte sich Bauernfeld gegen die Zensur. 1842 ließ er anonym die Broschüre "Pia desideria eines österreichischen Schriftstellers" (Leipzig: Wigand 1842) erscheinen, in der er eine Rückkehr zu der seiner Meinung nach vorbildhaften Zensurpraxis unter Joseph II. (1741-1790) forderte. 1845 folgte die gemeinsam mit Joseph Freiherrn von Hammer-Purgstall (1774-1856) verfasste "Denkschrift über die gegenwärtigen Zustände der Zensur in Oesterreich" (abgedruckt in: Der österreichische Vormärz. 1816-1847. Bearb. von Otto Rommel. Leipzig: Reclam 1931.). Diese blieb zwar wirkungslos, erregte aber Aufsehen und rief eine von Metternich in Auftrag gegebene Gegenschrift hervor, "Ueber Denk- Rede- Schrift- und Preßfreiheit" (Wien: Rohrmann 1847) von Clemens Hügel (1792-1849), worauf Bauernfeld mit dem sarkastischen "Schreiben eines Privilegirten aus Oesterreich zur Beleuchtung der merkwürdigen Broschüre: Ueber Denk-, Rede-, Schrift- und Preßfreiheit" (Leipzig: Grunow 1847) reagierte.

Im März 1848 war Bauernfeld im "Juridisch-politischen Leseverein" aktiv und verfasste gemeinsam mit Alexander Bach die "Petition der Wiener Bürger an die hochlöblichen Stände des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns zu Händen des hohen ständischen Verordneten-Kollegiums" (abgedruckt in: Der österreichische Vormärz. 1816-1847. Bearb. von Otto Rommel. Leipzig: Reclam 1931.), in der eine Konstitution verlangt wurde. Er beteiligte sich aber nicht aktiv an der Revolution. Verschiedene Quellen berichten, dass Bauernfeld am 18. März 1848 an einer schweren Gehirnhautentzündung erkrankt sei, deretwegen er sein Mandat im Frankfurter Vorparlament nicht habe antreten können. Gegen das kolportierte Datum spricht, dass Bauernfeld in einem mit 3. April 1848 datierten Brief an Anastasius Grün diesen darüber informierte, dass die Wiener Schriftsteller ihn selbst, Grün, Franz Schuselka (1811-1886) und Ignaz Kuranda (1811-1884) zur Beschickung der Frankfurter Versammlung vorgeschlagen hätten und Grün von Erzherzog Johann (1782-1859) gebten werde, mitzukommen. Anfang April 1848 muss Bauernfeld also noch gesund gewesen sein, er dürfte jedoch wenig später tatsächlich erkrankt sein. Es sind keine zwischen April und November 1848 verfassten Briefe Bauernfelds an Grün erhalten. In einem Brief vom 11. November 1848 erklärt der inzwischen von Verlauf der Revolution desillusionierte Bauernfeld seinem Freund, dass seine Krankheit ihn zur Untätigkeit verurteilt habe, worüber er inzwischen froh sei. In dem allegorischen Drama "Die Republik der Thiere" (1848) verarbeitete er die Erfahrungen der Revolution.

1849 ging Bauernfeld als Beamter in Pension. Im Gegensatz zu der in der Sekundärliteratur häufig anzutreffenden Meinung, Bauernfeld sei wegen seiner Aktivitäten in Zusammenhang mit der Revolution gegen seinen Willen pensioniert worden, stellt er selbst, wie in seiner Autobiografie "Aus Alt- und Neu-Wien" nachzulesen ist, den Sachverhalt völlig anders dar: Er sei auf eigenen Wunsch ausgeschieden und man habe ihm sogar mehr als die ihm aufgrund seiner Dienstjahre zustehende Pension bezahlt. Als Theaterschriftsteller war er weiterhin produktiv, wenn auch weniger erfolgreich als in früheren Jahren.
1848 wurde der Dichter Mitglied der Akademie der Wissenschaften, 1872 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt, 1883 erhielt er das Ehrendoktorat der Wiener Universität.

 
     
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