Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 19. März 1876
 
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Lieber Freund!

Die Verse, die das Glück hatten, Dir nicht zu mißfallen, waren für die neue Wochenschrift, die "Heimat" besti_mt, deren erstes Blatt noch im Laufe des Monats erscheinen soll. Die Studenten hatten von dem Gedicht verno_men und erbaten sich’s für den Co_mers. – Daß Du nun auch mit Nächstem unter die Siebziger gehörst, dazu ka_n ich Dir von meinem Standpunkt kaum Glück wünschen.

"Keine Kunst ist’s, alt zu werden,
Es ist Kunst, es zu ertragen!"

meint Goethe und er hat leider recht.

 
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Nun, Du erträgst es nicht nur mit Anstand, sondern auch mit Glück <und> Ruhm <und> ehrenvoller Wirksamkeit. Dazu gratuliere ich Dir. – Ich schreibe vor der Hand mein Testament und Eri_nerungen aus meinem Leben.

Deine Aufträge werde ich besorgen. Hoffentlich ko_mst Du bald wieder nach Wien.

Behalte lieb

Deinen alten
Bauernfeld.

Wien 19/3 76.

 
     
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