Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 5. Dezember 1871
 
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Lieber Freund!

Beyer glaubt, daß sein Referent Deine Sache am nächsten Samstag vortragen wird; sein Pedantismus erlaubt ihm aber nicht, den Ma_n zu "betreiben", <und> zwar um so weniger, weil in seinem Referate noch eine Unzahl Rückstände aus[unleserlich], deren Dein Proceß [?] keiner der ältesten ist! Ich werde übrigens nicht ermangeln,

 
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B. zu "stupsen", Dir auch nach der Erledigung sogleich berichten. –

Deine häuslichen Unfälle bedaure ich sehr <und> hoffe mit Dir (und den Doktoren) auf eine nahe bessere Wendung.

Was Unger betrifft, so ist er guten Mutes, mit allen seinen Collegen im besten Einvernehmen, will auch ausharren <und> sein Möglichstes thun, hat sich aber seine Professur vorbehalten. Wenn ich Berger’s erwähnte, so war’s nur wegen der [unleserlich]

 
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<und> weil ein Minister ohne Portefeuille leicht wider Willen durch Parteien <und> Clienten gezwungen [ergänzt: wird], in alle Ressorts zu greifen. U. ist übrigens ein ganz anderer Charakter als B. <und> ich theile Deine gute Meinung über ihn vollko_men. Für seine Gesundheit ist übrigens nichts zu besorgen. Er arbeitet sich leicht.

Da eine Sitzung des Herrenhauses wohl vor der Thüre steht, so hoff Dich mit Nächstem hier zu begrüßen

<Dein>
Bauernfeld

Wien 5/12 71.

 
     
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