Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 22. Mai 1869
 
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Lieber Freund!

Ich hatte den Artikel in aller Eile in drei Tagen zusa_men geschmiert, um ihn Dir, der stofflichen Berichtigung wegen, noch mit geben zu kö_nen. Gefeilt ist der Aufsatz gar nicht <und> wird wohl, bei seiner Geschwätzigkeit, etwa auf die Hälfte reducirt werden müssen. – Für Deine Winke und Andeutungen danke ich bestens <und> werde sie getreulich benützen. Sehr willko_men wäre mir’s,

 
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we_n ich des Gratzer-Blattes v. J. 1848 mit Deiner Erklärung habhaft werden kö_nte. – Im Ganzen war unser Zug nach Hofe eine Art Don Quixotiade. Man hatte im Stillen längst beschlossen nachzugeben, <und> wir sahen nur zu, als man nachgab. In diesem Si_n will ich’s auch darstellen <und> mir durchaus keine Gloriole vindiciren. –

Das Wort "verlassen" war ungeschickt gewählt <und> in der Eile. Ich hatte gegen Dich behauptet, ich müsse den Erzherzog erwarten, wie er mir’s aufgetragen. Da gingst Du voraus

 
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<und> ich gedachte gleich nachzuko_men. –

Daß ich mit einem jungen Fürsten allein geblieben, weiß ich mit Besti_mtheit – wer es war, ka_n ich nicht heraus beko_men. –

Nochmals vielen Dank! Ich wollte, Du wärst hier, um mir bei der stilistischen Redaction des Artikels beizustehen. Die Hauptaufgabe wäre, daß man den Durcheinander von unten <und> die Rathlosigkeit von oben kurz <und> prägnant darstelle.

Mit den freundlichsten Grüßen

<Dein>
Bauernfeld

Wien 22/5 69.

 
     
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