Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 7. Oktober 1857
 
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Lieber Freund!

Anbei das Dedications-Exemplar, welches ich anzunehmen bitte. Ni_mVorlieb! Ich habe gefeilt was möglich – aber durch alles Lachen wird aus einem Lärm kein Liede!

Sie haben hier das Buch mit ihrer gewöhnlichen Feigheit <und> Halbheit nicht verboten; da ihnen sein Erscheinen aber doch unangenehm ist, so dürfen’s die Buchhändler nur – verkaufen,

 
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doch nicht ankündigen noch in die Schaufenster stellen, auch soll’s in den Zeitungen nicht besprochen werden. Dieses "erga schedam Geben" eines Buches an das ganze Publikum ist eine specifisch österreichische Erfindung! A.E.I.O.V. aller Ehren ist Österreich voll! Aber nur Geduld! Ich räche mich. Der Rest meines Lebens soll angewendet [ergänzt: werden], den österreichischen schlappen, faulen u. dummen Fleck, von welchem schon Börne schreibt, in Versen und Prosa

 
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zu illustrieren. Vergib diese Ausbrüche meiner Berserker-Wut! Nicht die Tira_nen, wohl aber die [unleserlich] bringen Einen zur Verzweiflung.

<Dein>
Rusticocampius.

Wien 7/10 57.

 
     
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